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Dywidag-Aktionäre stimmen Fusion mit Walter Bau zu

Die Aktionäre des Münchener Baukonzerns Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) haben am Freitag trotz ihrer Kritik der Fusion mit der Augsburger Walter- Bau AG zum zweitgrößten Baukonzern Deutschlands zugestimmt.

Reuters MÜNCHEN. Die Hauptversammlung genehmigte den geplanten Zusammenschluss mit rund 434 000 "Nein"- zu 19,6 Millionen "Ja"-Stimmen. Auf Grund der Rezession der Bauindustrie musste Walter-Bau-Aufsichtsratchef Ignaz Walter aber seine Prognosen für den fusionierten Konzern senken. Statt des im April angekündigten positiven operativen Ergebnisses rechnet er in diesem Jahr nun mit operativen Verlusten. Der Fusion müssen noch die Walter-Bau-Aktionäre auf der Hauptversammlung am kommenden Freitag zustimmen.

Mit der Dywidag-Übernahme will Ignaz Walter seine Bauaktivitäten komplett in der Walter Bau-AG bündeln. Im vergangenen Jahr hatte Walter schon die Tochter Heilit + Woerner eingegliedert. Die Dywidag-Aktionäre kritisierten vor allem das Umtauschverhältnis, das den Münchener Konzern aus ihrer Sicht unterbewertet. Die Dywidag-Anteilseigner erhalten für je zehn eigene Aktien neun Papiere der Walter Bau und 0,03 ? je Aktie. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte eine gerichtliche Überprüfung des Umtauschverhältnisses an. Die Fusion sei nur eine Rettungsaktion für den noch tiefer als Dywidag in die roten Zahlen gerutschten Walter Bau-Konzern, sagte ein DSW-Vertreter.

Die Fusion von Walter Bau und Dywidag hatte schon im Vorfeld der Hauptversammlung Kritik hervorgerufen. Die Familie Lenz, Minderheitsaktionär der Stuttgarter Ed. Züblin AG, die wiederum 25,5 % an Dywidag hält, hatte gerichtliche Schritte gegen den Zusammenschluss angekündigt. Die einstweilige Verfügung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, mit der die Familie den Züblin-Konzern verpflichten wollte, auf der Dywidag-Hauptversammlung gegen die Fusion zu stimmen, sei aber zurückgezogen worden, sagte Eberhard Lenz. Ein Scheitern der Fusion hätte zu einer schweren Krise beim Walter-Konzern führen können, sagte er zur Begründung.

Dywidag-Chef Hans-Joachim Wolff, der auch den fusionierten Konzern führen soll, warb für den Zusammenschluss. "Gerade angesichts der schon seit Jahren schlechten Baukonjunktur in Deutschland und den damit verbundenen unzureichenden Umsatzrenditen ist für uns diese Fusion ein notwendiger und richtiger Schritt in die Zukunft", sagte er. Die Kosten der Fusion bezifferte er auf 33 Mill. ?, für die bereits Rückstellungen gebildet worden seien. Früheren Angaben zufolge rechnet Walter Bau mit Synergieeffekten von jährlich 250 Mill. DM. Durch den Zusammenschluss sollen rund 1600 der weltweit 23 900 Arbeitsplätze beider Unternehmen wegfallen.

Zu kämpfen haben die Baukonzerne aber mit der schwachen Konjunktur. "In der Bauwirtschaft stehen auch in diesem Jahr die Zeichen auf Sturm", sagte Wolff. Nach den Schätzungen des Hauptverbandes werde der Umsatz im Baugewerbe in diesem Jahr nochmals um fünf Prozent sinken. "Unsere Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal im Inland ist nicht zufrieden stellend", sagte Wolff. Deshalb werde der Konzern die für 2001 prognostizierte deutliche Verbesserung der operativen Ergebnisse nicht in vollem Umfang erreichen. Ignaz Walter prognostizierte für Dywidag einen "etwas größeren" operativen Verlust, für Walter Bau einen "leichten Fehlbetrag". Im vergangenen Jahr hatte Dywidag einen Verlust nach Steuern von 34,4 Mill. ? und Walter Bau von 64,7 Mill. ? ausgewiesen.

In den ersten vier Monaten 2001 erwirtschaftete Dywidag eigenen Angaben zufolge eine Gesamtleistung von 567 Mill. ?, die gut zwei Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Auftragseingang stieg um knapp 18 % auf 642 Mill. ?. "Unser Ziel muss es sein, eine Umsatzrendite von vier bis fünf Prozent zu erreichen", sagte Wolff.

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