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Dywidag-Aktionäre wollen gegen Umtauschverhältnis vorgehen

vwd MÜNCHEN. - Die Aktionäre der Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) AG, München, haben auf der Hauptversammlung am Freitag in München scharfe Kritik am Umtauschverhältnis sowie an der geplanten Fusion mit der Walter Bau AG, Augsburg, geübt und Gegenmaßnahmen angekündigt. "Wir fühlen uns von Walter Bau zu Unrecht verreinnahmt. WalterBau ist in eine Schieflage geraten und versucht nun, auf Kosten der Aktionäre von Dywidag und Heilit + Woerner seine Rettung zu finden", rief ein Aktionärsvertreter am Freitag auf der Hauptversammlung.

Die Anteilseigner warfen dem Vorstand der Walter Bau AG vor, mit der jüngsten Fusion nur die "katastrophale Lage" des Augsburger Konzerns "kaschieren" zu wollen. Die Verschmelzung sei "bedauerlicherweise nicht mehr zu verhindern, die kann auch keine Klage aus der Welt schaffen", kritisierten die Aktionärsvertreter. Schließlich hätten sich die Mehrheitsanteilseigner Walter Bau AG und Züblin AG bereits im Vorfeld über die Fusion geeinigt.

Obwohl die Hauptversammlung der Fusion mit überwältigender Mehrheit zustimmte, wollen Aktionärsvertreter "entweder mit einer Anfechtungsklage oder einem Spruchstellenverfahren" gegen das geplante Umtauschverhältnis vorgehen. Viele Kleinanleger fühlen sich nach eigenen Worten damit "extrem schlecht behandelt". Die bisherigen Planungen sehen einen Umtausch von zehn nennwertlosen Dywidag-Inhaber-Aktien in neun Anteilsscheine der Walter Bau AG vor, sowie eine Barzahlung von 0,03 Euro je Aktie. Nach Ansicht der vieler Kleinaktionäre ist die Walter Bau AG damit "erheblich überbewertet".

Der Baukonzern gelte mit dreistelligen Millionenverlusten und schlechter Börsenperformance als schwer angeschlagen, Dywidag sei trotz des in 2000 erstmals negativen operativen Ergebnisses ein "noch gesundes Unternehmen", stellte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fest. Die Aktionäre verwiesen auch auf das laufende Spruchstellenverfahren in der Fusion Walter Bau mit Heilit + Woerner. Das Gericht habe jüngst die Unterbewertung der übernommenen Heilit + Woerner AG bestätigt und eine Neuberechnung bis November veranlasst.

Der Dywidag-Vorstand stimmte einigen Kritikpunkten der Aktionärsvertreter zu. "Die Walter Bau AG ist in den letzten zwei Jahren ein Problem gewesen", räumte der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Wolff ein. Gegen den Vorwurf der vorschnellen Verschmelzung wehrte er sich jedoch vehement. Zwar habe er noch im Juli 2000 jegliche Fusionen abgelehnt. "Aber die Entwicklung in der deutschen Bauindustrie war eine Katastrophe und wir mussten ab dem zweiten Halbjahr feststellen, dass wir uns dieser Katastrophe nicht entziehen konnten", sagte Wolff. Der Entschluss zur Fusion sei aus Synergie-Erwartungen erfolgt und solle den "Bestand beider Unternehmen und eine ordentliche Zukunft" sichern, sagte Wolff weiter.

Für das Geschäftsjahr 2002 erwarten beide Konzerne durch den Zusammenschluss nach eigenen Aussagen Kosteneinsparungen von 75 Mill. Euro. Zunächst fallen jedoch Fusionskosten von 33 Mill. Euro an, für die bereits Rückstellungen gebildet worden sind, bestätigte Wolff. Im laufenden Jahr rechnen beide Unternehmen laut Verschmelzungsbericht zudem mit Verlusten von rund zehn Mill. Euro, ergänzten die Kleinanleger. Außerdem "wird sich Dywidag von rund 1 600 Mitarbeitern trennen müssen", kündigte Vorstand Wolff an, davon sollen bereits 285 im laufenden Jahr ausscheiden.

Dywidag räumt am Berichtstag zudem ein, dass die angekündigten Ziele für das laufende Geschäftsjahr insbesondere wegen des flauen Inlandsgeschäftes voraussichtlich nicht erreicht werden dürften. Die bislang versprochene "deutliche Ergebnisverbesserung" werde der Konzern "nicht in vollem Umfang erreichen", hieß es. Allerdings habe Dywidag bis einschließlich April mehr Neuaufträge als im Vorjahreszeitraum verzeichnet. Der Auftragszugang des Unternehmens sei um 17,9 % auf 642 (544) Mill. Euro gewachsen. Besonders im Ausland habe Dywidag Neuaufträge hinzu gewinnen können, deren Wert 40 % höher als im Vorjahreszeitraum sei, sagte Wolff. Dennoch liege der Auftragsbestand mit 1,42 (1,46) Mrd. Euro derzeit 2,6 % unter dem Vorjahreswert.

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