DZ Bank: Analyse: Ein entscheidendes Jahr

DZ Bank
Analyse: Ein entscheidendes Jahr

Das hätte nicht sein müssen: Das jetzige Bekanntwerden des Anstiegs des Wertberichtigungsbedarfs auf das neue Rekordniveau von 1,2 Milliarden Euro sowie die Ertragseinbuße in dreistelliger Millionenhöhe für 2002 kommen für die DZ Bank zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. 2003 sollte das Jahr werden, in dem endgültig mit der belastenden Vergangenheit aufgeräumt wird und die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden.

Doch stattdessen setzt sich die Reihe unliebsamer Überraschungen fort. Die Pleitewelle bei Unternehmen und die Flutschäden haben die Risikovorsorge für das abgelaufene Jahr aus dem Ruder laufen lassen. Hinzu kommt die kräftige Ertragseinbuße durch die fehlerhafte Abgrenzung von Zinsderivategeschäften. Hierdurch wurden zu hohe Erträge verbucht. Bereits in den Vorjahren hinterließen die Leichen, die aus den Kellern der beiden Vorgängerinstitute DG und GZ-Bank ans Tageslicht kamen, tiefe Spuren in der Erfolgsrechnung des genossenschaftlichen Spitzeninstituts. Die Risikovorsorge kratzte jeweils an der Milliarden-Euro-Marke.

Für DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner sind die jüngsten Ereignisse ein herber Rückschlag. Er bekommt die Bank einfach nicht in den Griff. Brixner, der als Chef der kleineren GZ-Bank bei der Fusion mit der DG Bank deren Chef Bernd Thiemann verdrängte, muss aber endlich Erfolge und bessere Ergebnisse abliefern. Ohne das Heben stiller Reserven im genossenschaftlichen Finanzverbund stünde auch für 2002 ein deutlicher Verlust zu Buche. Das bleibt nicht ohne Folgen: Der Aufsichtsrat schaut Brixner genauer auf die Finger und wird auf der nächsten Sitzung im Februar eine Mittelfristplanung einfordern, die der DZ-Bank-Chef bislang offenbar nicht liefern konnte.

Die Probleme im Zinsderivategeschäft kann Brixner auch nicht wie die Probleme im Kreditgeschäft auf die ehemalige DG Bank abwälzen. Sicher, die Geschäfte machte das Vorgängerinstitut. Dennoch dauerte es auch unter Brixners Führung noch über ein Jahr, bis der Fehler bei der Buchung erkannt wurde. Da sind auch die Vorstände der DZ Bank nicht ohne Schuld.

Von der dringend notwendigen Aufbruchstimmung kann daher derzeit keine Rede sein. Dabei fing das laufende Jahr gut an. Der geplante Zusammenschluss der BWS Bank und der WPS im Zahlungsverkehr ist die erste sektorübergreifende Fusion innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft. Erstmals rücken damit ein genossenschaftliches und ein öffentlich-rechtliches Institut zusammen. Auch auf der Kostenseite kann der DZ-Chef Erfolge verbuchen, obwohl er sich durch sein rigides Sparprogramm nicht viele Freunde gemacht hat. Die Aufwendungen für 2002 sind gegenüber dem Vorjahr um 300 Millionen Euro gesunken.

Der DZ Bank, Ulrich Brixner und dem gesamten genossenschaftlichen Finanzverbund wäre es zu wünschen, dass das genossenschaftliche Spitzeninstitut endlich zur Ruhe kommt und wieder die ihm zugedachte Rolle spielen kann. Denn die Kreditgenossen brauchen eine starke Zentralbank. Dafür müssen die 1,2 Milliarden Euro Abschreibungen aber der unrühmliche Höhepunkt bleiben. Neue Katastrophen können auf Grund der Rückendeckung durch den Finanzverbund wirtschaftlich verkraftet werden, für das Image der DZ Bank und des Mannes an der Spitze, Ulrich Brixner, wären sie schwer zu verdauen.

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