DZ Bank legt neuartiges Produkt auf
Erstes Zertifikat auf Genussscheine kommt

Als erstes Geldinstitut überhaupt bietet die DZ Bank ab September einen Index für Genussscheine an. Gleichzeitig bringt die Bank ein Zertifikat auf den Markt, das den Genussscheinindex (Gesix) abbilden wird.

FRANKFURT/M. Genussscheine sind eine Mischform aus Aktien und Anleihen, die im wesentlichen von deutschen Kreditinstituten zur Eigenkapital-Beschaffung emittiert werden. Durch ihre Zwitterstellung bieten die Papiere attraktivere Renditen als Bonds und geringere Risiken als Aktien. Bisher wurde das Marktsegment, das einen jährlichen Umsatz von 20 Milliarden Euro erreicht, meist vernachlässigt, weil es schwer zu durchschauen ist. Anders als für Anleihen und Aktien gibt es für Genüsse keine gesetzlichen Vorschriften, so dass die Papiere höchst unterschiedlich ausgestattet sind.

Geht es nach der DZ Bank, muss sich der Anleger mit diesen komplizierten Zusammenhängen künftig nicht mehr auseinander setzen, wenn er statt in Einzelwerte in das Genussschein-Zertifikat investiert. Denn dieses umfasst die aus Sicht der Bank attraktivsten Papiere des Marktes. Aus den 50 liquidesten Genussscheine werden für den Gesix die 15 Titel ausgewählt, die den Markt hinsichtlich Laufzeit, Ausschüttungsstruktur und Rendite am besten repräsentieren.

Nach jetzigem Stand werden alle im Index gelisteten Genüsse Emissionen von Banken mit jeweils fixem Ausschüttungssatz sein. Sie haben im Durchschnitt Laufzeiten bis 2007, weisen eine Bonitätsbewertung von A auf und bieten sechs Prozent Rendite. Um eine optimale Streuung zu erreichen, werden alle 15 Scheine werden zunächst das gleiche Gewicht im Index haben, der einmal im Jahr überprüft wird.

Nicht im Index und damit im Zertifikat enthalten sind Genussscheine von DZ Bank und Deutscher Bank. "Die Papiere der Deutschen Bank bieten Zinsaufschläge von 80 bis 100 Prozent und liegen damit zu weit unter dem Marktdurchschnitt", sagt Klaus Holschuh, Leiter des Renten-Research der DZ Bank. Eigene Titel konnten die DZ-Banker hingegen nicht aufnehmen, weil eine Bank laut Gesetz nur drei Prozent seines Eigenkapitals selbst halten darf. "Diesen Anteil brauchen jedoch unsere Händler zur Marktpflege unserer Emissionen", erklärt Holschuh.

Von Montag an kann das Genussschein-Zertifikat der DZ Bank bei allen Volks- und Raiffeisenbank gezeichnet werden. Die Frist endet am 20. September. Ab dem 24. September wird das Zertifikat dann in Frankfurt und Stuttgart gehandelt (WKN 618 364). Der Ausgabeaufschlag beträgt drei Prozent, die jährliche Verwaltungsvergütung 0,4 Prozent. Unter Steueraspekten ist das Papier unkompliziert: Nach Ablauf der Spekulationsfrist sind sämtliche Kursgewinne steuerfrei.

Gegen Zahlungsausfälle der Emittenten bietet das Zertifikat hingegen nur begrenzt Schutz. Zwar haben alle ausgewählten Genüsse einen Nachzahlungsanspruch, garantiert sind die Zahlungen dadurch jedoch nicht. Dafür wird das Papier nicht die für Genussscheine typischen Kursstürze nach der Jahresausschüttung nachvollziehen. Die rückläufigen Notierungen der Papiere werden durch Reinvestition der Ausschüttungen kompensiert.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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