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E-Business auf dem Tiefpunkt

Was ist los mit E-Business? War alles nur ein riesiger Bluff, so wie ganze dot.com-Hype? War früher halt doch alles besser?

Die 310 Manager, die die IT-Beratungsfirma Cap Gemini Ernst & Young befragte, nahmen kein Blatt vor den Mund. Die, die fertige E-Business-Projekte bereits im Einsatz haben, sind selten zufrieden: Die Zufriedenheitsrate liegt mit nur 30 bis 50 Prozent erschreckend gering, merken die Consulter an. Trotz hoher Investitionen erklärt nur ein Drittel der Unternehmen, mit E-Business bisher überhaupt operative Erfolge erzielt zu haben. Zwei Drittel geben an, dass sie über E-Business bisher weder die Kosten senken noch den Unternehmenserfolg steigern konnten, bei den Großunternehmen sind es sogar über drei Viertel.

Ein beklemmendes Szenario am Ende des Jahres 2001. Was ist los mit E-Business? War alles nur ein riesiger Bluff, so wie ganze dot.com-Hype? War früher halt doch alles besser?

Nein, sicher nicht. Viele Probleme, die die Studie aufzeigt, sind alles andere als im E-Business selber begründet. Genannt werden unter anderem fehlende Tauglichkeit der Produkte für den E-Vertrieb (52 %) oder Widerstände bei der Veränderung von Arbeitsabläufen (46 %). Nicht zuletzt wurde auch schlicht oft genug die Komplexität der Projekte unterschätzt. E-Business scheint auf dem Tiefpunkt. Ok, doch daraus folgt, dass es jetzt bergauf gehen muss.

Denn zum Glück lassen sich deutsche Manager ja nicht so einfach unterkriegen. Da kommt richtige "Jetzt erst recht"-Stimmung auf: Trotz aller Ernüchterung ist laut Umfrage für 76 % der Unternehmen E-Business noch immer ein Top-Thema und 56 % wollen ihre Investitionen 2002 weiter steigern oder (36 %) zumindest konstant halten. Denn die wahren Potenziale sind längst erkannt, wenn auch noch nicht ausgeschöpft. E-Business ist halt mehr als eine nette Seite im Internet. Unternehmensabläufe umzustrukturieren kann viele Jahre dauern. Und das Platzen der dot.com-Blase hat auch eines klar gezeigt: Selbst im Internet ist es eben nicht ausschlaggebend, wer als erster da ist. Ausschlaggebend ist, wer es letztlich richtig gemacht hat. Und das braucht halt manchmal Zeit.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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