E-Business wird wichtiger Pfeiler im Konzern
Internetgeschäft ist für die Post Chefsache

Vom Mausklick zur Klingel. Unter diesem Motto positioniert sich die Post als Komplettanbieter für Dienstleistungen im Internet. E-Angebote sollen das Brief- und Paketgeschäft beflügeln. Gleichzeitig eröffnet sich ein neues Geschäftsfeld: Risikokapital. So beteiligt sich die Post an Start-Ups im E-Business.

BONN. Als internationaler Logistikkonzern wird die Deutsche Post zu den Gewinnern des Internet-Zeitalters gehören. So jedenfalls lautet das Credo von Post-Chef Klaus Zumwinkel. Er hat der Post dann auch gleich den Marketing-Beinamen World Net verpasst. Kein Wunder, im Hinblick auf den für den 20. November geplanten Börsengang sorgen E-Themen rund um das Internet für zusätzliche Aufmerksamkeit. Zuständig für die Internet-Phantasie bei der Deutschen Post ist Martin Raab, Zentralbereichsleiter E-Business der Post, und damit Zumwinkel direkt unterstellt. E-Commerce gilt bei der Post als Chefsache.

"Wir sind der Brutkasten für neue Geschäfte der Post," meint Raab, Vorsitzender der Geschäftsführung der neu gegründeten E Holding-Business der Post, im Gespräch mit dem Handelsblatt. E-Commerce sei keinesfalls ein Alibithema, mit dem die Post vor dem Börsengang kräftig auf die Pauke hauen wolle, sagt Raab, der wie sein Chef vom amerikanischen Unternehmensberater McKinsey kommt. Mit dem Thema Internet beschäftige sich die Post bereits seit Jahren. Erste Pläne für den im Mai 1999 gestarteten Internet-Marktplatz "E-Vita" habe es beispielsweise bereits Ende 1997 gegeben.

E-Commerce sei vielmehr ein zentrales Thema für die künftige Entwicklung in allen Unternehmensbereichen. Insbesondere im Expressgeschäft rechnet Raab mit deutlichen Wachstumsraten durch E-Commerce. Bis 2005 erwartet er einen Anstieg um 500 Millionen auf 2 Milliarden Pakete allein auf dem deutschen Markt. Schließlich müsse die im Internet bestellte Ware ausgeliefert werden. Heute stellt die Post als Marktführer im Versandhandel 600 Millionen Pakete zu. Sie dürfte daher am stärksten von dem erwarteten Wachstum profitieren.

Online-Banker schreiben viele Briefe

Im Bereich des Briefgeschäfts sei dagegen nicht mit hohen Umsatzsteigerungen zu rechnen, meint Raab. Die E-Mail werde den klassischen Brief ebenso wenig verdrängen können wie seinerzeit das Fax. Mit einem eigenen Free-E-Mail-Service springe die Post außerdem auf den E-Zug auf. Insgesamt rechnet Raab mit einer leichten Umsatzsteigerung. Zum Beispiel seien Direktbanken ein Segen für die Post, da kaum ein anderer so viele Briefe produziere wie die Online-Banker.

Ziel der Post sei es aber auch, völlig neue Produkte zu entwickeln und damit neue Geschäfte zu generieren. Daher seien die bisher getrennten E-Geschäftsfelder E-Vita, E-Commerce Services (ECS), Deutsche PostCom GmbH, Signtrust, Business-to-Business-Portale und Venture Capital GmbH in der E Holding-Business zusammengefasst worden. Sie sei mit 200 Mitarbeitern einer der strategischen Grundpfeiler der Deutsche Post World Net.

Ein Erfolg soll zwei Flops aufwiegen

"Wir gehen mit einer Venture Capital-Brille an das ganze E-Business-Geschäft heran," betont Raab. Man brauche nur einen Erfolg, um sich zwei Flops leisten zu können. Die Post werde nicht davor zurückschrecken, Projekte einzustellen, sollten diese die Erwartungen nicht erfüllen. Erwartet werde eine Verzinsung von mittelfristig mindestens 100 %.

Raab stellt klar: "Es geht hier nicht um operative Renditen, sondern um Wertschöpfung". Erfolgreiche Geschäftsfelder könnten mit hohem Gewinn verkauft oder an die Börse gebracht werden. Als Beispiel nannte Raab die am Neuen Markt notierte Softwarefirma GFT Technologies AG, an der die Post mit 16 % beteiligt ist. Hier sei die Post noch vor dem Börsengang eingestiegen. Der Aktienkurs habe sich seitdem vervielfacht.

Als ein schwieriges Produktsegment bezeichnete Raab die für den Mittelstand konzipierte E-Commerce-Lösung "neu Geschaeft", ein Geschäftsfeld im Bereich E-Commerce-Services. Das Komplettangebot für den Mittelstand vom Betrieb des Online-Shops bis hin zum Warenversand habe sich noch nicht als der erwartete Renner erwiesen.

Viel lieber spricht Raab über ein erfolgreiches E-Produkt: Signtrust. Ermöglicht wird damit das Verschicken rechtsverbindlicher elektronischer Dokumente. Im Bereich der digitalen Signatur habe die Post noch ein Alleinstellungsmerkmal. Als erster Großkunde konnte die Bundesnotarkammer gewonnen werden. Raab erwartet hier in zwei Jahren Gewinne und einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe.

Standbein des E-Business-Geschäfts der Post dürfte allerdings die Deutsche Post Ventures werden, die Risikokapitalgesellschaft des gelben Riesen. Mit einem Fondsvolumen von 100 Mill. DM will die Post Start-Ups der Internetbranche unterstützen. Die Beteiligung an einer US-Softwarefirma (Viewlocity) wurde bereits erworben. Raab: "Wir können uns vor Anfragen kaum retten." Die Post sei als Partner heiß begehrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%