E-Commerce-Explosion ist Realität
Gartner verteidigt Internet-Euphorie

Das Internet bleibt treibende Kraft der Wirtschaft. Pleiten ändern daran nichts, erwarten die Marktforscher von Gartner laut einer Studie. Den stärksten Zuwachs im Internet-Geschäft soll Frankreich erleben.

HB LONDON. "Die E-Commerce-Explosion ist Realität und nicht aufgebauscht." Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsinstitut Gartner in einer Studie, die in London vorgestellt wurde. Trotz erster Pleiten von Dot-com-Firmen und der Ernüchterung im E-Commerce wird die Internet-Economy in den kommenden Jahren boomen und zum wichtigen Standbein für die Wirtschaft werden, heißt es in dem Papier. Im Jahr 2004 werde der europäische Internethandel, den Gartner momentan mit 53 Mrd. $ bewertet, erstmals die Grenze von einer Billion Dollar überschreiten.

Vor allem zwei Länder werden nach Ansicht der Gartner-Experten eine führende Rolle in der Internet Wirtschaft übernehmen. "Deutschland und Großbritannien werden die treibenden Kräfte im E-Commerce", sagt Nick Smith, Vize-Präsident von Gartner Group Services.

Deutschland als treibende Kraft im E-Commerce

Schon jetzt sei Deutschland mit einem Internet-Geschäft von 26 Mrd. $ die Nummer eins in Europa. Im Jahr 2004 werden nach der Studie die Länder Deutschland (30 %), Großbritannien (22 %), Frankreich (11 %) und Italien (7 %) zusammen mehr als zwei Drittel des Internet-Marktes in Europa ausmachen.

Den größten Zuwachs erwarten die Experten in Frankreich. Hier werde das Wachstum im Internetgeschäft bei jährlich 99 % liegen. Für Italiens Internet-Wirtschaft sagt die Studie einen Zuwachs von 95 %, für Deutschland von 88 % und für Großbritannien von 82 % voraus. Das Internet werde alle Bereiche der Wirtschaft erfassen. "Unsere Studie zeigt: E-Commerce ist mehr als Dot-com", sagt Smith. Die Zustimmung zur neuen Internetwelt wird sich zudem durch alle Branchen und Regionen ziehen.

Zusammen mit Cisco Systems führte Gartner knapp 1 000 Interviews für die Studie. Sie hätten deutlich gezeigt, dass mehr als drei Viertel der Unternehmen das Internet für eine fundamentale und nicht mehr wegzudenkende Basis im künftigen Geschäftsleben halten. Nur 12 % der Befragten vertreten noch die Position "Abwarten und Beobachten" in Sachen Internet. Eine Schlüsselaussage für Smith: "Die Internet-Economy ist nicht mehr eine Möglichkeit, sie ist bereits Realität geworden."

Zwar sei die Geschwindigkeit der Entwicklung nach wie vor schwer vorherzusagen, meint Bill Nuti, President von Cisco. Doch die Umfragen zeigten, dass der Zuspruch zum E-Commerce auch bei kleineren traditionellen Industrien größer sei als erwartet. Vor allem die neue Handy-Technologie, mit der das Internet auf das Mobiltelefon übertragen werden kann, sieht Nuti als große Chance für die Internet-Wirtschaft. "Es wird wie bei den ersten Handys sein: Erst nutzen es vor allem Geschäftsleute, dann springt die Technologie auf das Massengeschäft über."

Allerdings müssen sich nach Ansicht der Gartner-Experten die Regierungen in vielen Ländern noch mehr für das Internet stark machen. Sechs Schlüsselbereiche seien dafür wichtig: Bewusstsein und Erziehung für das Internet, Wettbewerb und freie Marktbedingungen, ein spezielles Recht für E-Commerce, ausreichende Telekominfrastruktur, günstigen Internetzugang für die Nutzer sowie ein funktionierendes Online-Zahlungssystem.

Die besagten Chancen haben danach die Länder, in denen der IT-Bereich besonders gefördert wird. "Der IT-Sektor treibt den E-Commerce an", schätzen die Gartner-Fachleute ein. Darum werden im Jahr 2004 - gemessen nach dem Wert der Einzelaktion im Netz - im Internetgeschäft erstaunlicherweise nicht die bevölkerungsstarken Umsatzriesen Deutschland oder Großbritannien die Nase vorn haben, sondern Länder wie Holland, Schweden und die Schweiz. Selbst Handy-Land Finnland landet nur im Mittelfeld, da die gigantische Papierindustrie noch immer dominiert. In Deutschland seien die vielen Mittelständler noch immer beim Internet sehr zurückhaltend.

Die Gartner-Studie hat 14 Länder in Westeuropa unter die Lupe genommen. Untersucht wurden auch die Chancen für den Internethandel im Mittleren Osten (u.a. Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Israel) und in Osteuropa (Ungarn, Tschechische Republik, Slowenien, Russland, Polen, Ukraine, Rumänien und Bulgarien).

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