E-Commerce
Weihnachtsgeschäft: Online-Händler sehen Erwartungen insgesamt erfüllt

Europaweit wird in diesem Jahr voraussichtlich 8 % des Weihnachtsgeschäfts in Online-Shops gemacht. Büroarbeiter im Amazon-Versandzentrum schieben Sonderschichten. Analyse: Die ungünstige Ausgangslage der Onlineshops

HB DÜSSELDORF/HAMBURG. Die Aushilfstruppe aus Hallbergmoos hat reichlich zu tun. Im Logistikzentrum von Amazon.de in Bad Hersfeld brummt das Geschäft, 50 000 bis 60 000 Sendungen gehen täglich raus. Da müssen halt auch die "Bürohengste" ran: Vom General Manager bis zur Marketingassistentin reißt jede(r) seine Sonderschicht im Versand ab. Das gehört bei Amazon zum Familien-Image. Das Erreichen der angepeilten Umsatzverdreifachung im Weihnachtsgeschäft gegenüber 1999 sei "schon gar kein Thema mehr", so Sprecherin Martina Frühwald. Das vergangene Wochenende war entscheidend für den Online-Weihnachtshandel. Es war meist die letzte Chance, Geschenke zu ordern, die zwei Tage für den Versand brauchen. "Wir haben noch mal einen richtigen Schwung rein bekommen", bestätigt die Amazon Sprecherin.

Erich Jeske von Quelle.de stimmt zu: "Das war ein wichtiges Wochenende". Quelle.de bringt rund 300 000 Pakete täglich auf den Weg, und die Herausforderungen an die Logistik werden immer größer. Der Grund: immer mehr Kunden bestellen immer später. Da bis zum Wochenende der Textilbereich aber nicht mehr so angezogen hat wie erhofft, würde Jeske dem Weihnachtsgeschäft insgesamt das Prädikat "bedingt zufrieden stellend" geben. Quelle.de will in diesem Jahr über das Web "mehr als 500 Mill. DM" umsetzen.

Zurückhaltend äußern sich Anbieter wie der Buchshop BOL, der Onlinedienst AOL oder Auktionator Ebay . Unisono wird von einem eher guten oder zufrieden stellenden Geschäft berichtet, konkrete Zahlen konnten aber noch nicht genannt werden. Bei Yahoo Deutschland heißt es, dass vom 8. bis 15. Dezember das stärkste Orderaufkommen in der Shopping Mall gesehen wurde. Erste Zahlen bestätigten auch Hoffnungen auf eine Verdreifachung des Weihnachtsumsatzes.

Robert Barge von Chateau Online kann schon genauer Auskunft geben. Täglich 500 bis 1 000 Sendungen verlassen den französischen Weinshop, Weihnachten 1999 waren es noch 200. Am vergangenen Wochenende waren es über 2 000 Pakete. Oktober und Dezember liefen prächtig, jedoch der November war schwach. Auch ändert sich zu Weihnachten das Volumen der Einkäufe: In Deutschland sind es im Jahresschnitt rund 900 FF pro Wein-Paket, zu Weihnachten aber eher 300 FF. In Frankreich sinkt das Volumen von 1 200 FF auf 450 bis 500 FF. Unter dem Strich werde "wesentlich mehr" Umsatz als im Vorjahr erzielt, aber etwas weniger als erhofft. Thorsten Gropp von Winegate.de (Hawesko) ist dagegen rundum zufrieden. Der November war der bislang stärkste Monat, die erhoffte Jahresumsatzsteigerung von gut 2 auf über 12 Mill. DM war schon Ende November erreicht. Seit Mitte November gehen 500 bis 600 Pakete täglich mit einem Durchschnittswert von 300 DM raus.

Europaweit wird in diesem Jahr voraussichtlich 8 % des Weihnachtsgeschäfts in Online-Shops gemacht, schätzt das Hamburger Forschungs- und Beratungsinstitut Mediatransfer AG . Das wären rund 7 Mrd. Euro und doppelt so viel wie im Vorjahr. Für Deutschland werden 1,3 Mrd. erwartet. Basis ist eine Umfrage unter 5 000 Internet-Nutzern in fünf europäischen Ländern. Als besonders online-kauffreudig erweisen sich die Briten (78 % der Befragten) und die Deutschen (76 %).

Und da wird nicht immer nur ein Buch im Web gekauft. Beim Geschenkportal yousmile.de hat sich dieses Jahr der "Dromedar-Ritt im Allgäu", obwohl nicht ganz billig, als Verkaufsrenner erwiesen. Yousmile-Mitgründer Tim Stracke: "Die haben sogar zwei neue Dromedare eingekauft, weil so viele yousmile-Kunden gebucht haben."

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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