E-Mail aus... Berlin
Im Schatten der Bierbuden

Ahh, der schon wieder. Bei heimeliger Atmosphäre begrüßten sich alte Bekannte auf der einstigen Party-Messe in Berlin per Handschlag. Und das meist mehrfach am Tag: In den wenigen und vor allem leeren Hallen der Internetworld lief man sich ständig über den Weg.

Eigentlich fand die Messe zu gleichen Teilen zwischen den Hallen statt, unter der sengenden Sonne oder im Schatten der Bierbuden. Früher, erzählt dort der Chef eines Mobil-Startups, habe er auf der Messe Geschäfte gemacht und sei am Abend zu den Partys in die Stadt gezogen. Heute schlendere er zum Spaß über die Messe - die Geschäfte liefen am Abend woanders. Früher, erzählt ein Service-Mitarbeiter, habe er ohne Unterlass VIP?s mit Luxuslimousinen zu den Golfplätzen und Hotels der Umgebung gefahren. Heute langweilen sich zwei kleine Smarts in der Sonne und haben nichts zu tun.

Immerhin hat der frühere Fahrer eine neue Beschäftigung - er zapft Bier. Nach und nach versammelt sich an seiner Bude eine Art Presseclub: Redakteure von Wirtschaftswoche, PC Professionell, Handelsblatt. Auch Werner Lauff dreht seine Runden, holt sich ein Pils und denkt vielleicht manchmal an den Rotwein in Monte Carlo, den er als früherer Präsident der inzwischen aufgelösten Bertelsmann Broadband Group im besten Haus am Platze genoss. Heute hält Lauff seine Reden für Pricewaterhouse Coopers.

Schlau ist Daniel Wild, CEO von Getmobile: Der bekommt beim Auffüllen des Bechers die Fachsimpelei der Kollegen mit - prompt inszeniert er mit den kommunikativen Fähigkeiten eines Ex-Beraters ein kleines, durchaus interessantes Hintergrundgespräch. Auch Sex war ein Thema, jedenfalls ließ sich von einer Arcor-Blondine Interessantes erfahren über das Online-Geschäft mit der Erotik.

Da war doch noch was? Die Messe, stimmt. Trist war sie. Vielleicht sollte man die Internetworld lieber Internetvillage nennen? Ernüchtert zeigt sich etwa Gerd Graumann, Direktor bei der Sprachsoftware-Firma Saillabs: Zwei Besucher fanden sich am ersten Vormittag an seinem Stand ein - zwei Praktikantinnen, eine davon von Pixelpark. Auf den einen oder anderen Entscheidungsträger hatte Graumann doch gehofft, auf Burkhard Graßmann etwa, den T-Online-Vorstand. "Ich kann das Gequatsche von Krise nicht mehr hören, der Markt wächst weiter", fand der deutliche Worte. Und stieß prompt auf Widerstand: GFT-Chef Ulrich Dietz hatte sich offenbar gründlicher umgesehen und ließ die frohe Botschaft des Kollegen nicht gelten. Massenhaft sagten Firmen ab. Teils, da sie pleite sind oder sparen. Aber auch, da die Cebit auch für Web-Firmen an Bedeutung gewinnt - die Szene konzentriert sich in Hannover. In Berlin herrschte das größte Gedrängel noch bei T-Online, insofern lag Graßmann gar nicht so daneben. Mit dem Unternehmen hatte das allerdings weniger zu tun: Die Darmstädter zeigten WM-Spiele.

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