E-Mail aus... Buenos Aires
Tango Informatiko

Schon vor etwa einem Jahr verkündete der damalige argentinische Staatssekretär für Kommunikation, Henoch Aguiar: Er wolle sein Land durch staatliche Förderung zum zentralen Exportstandort in Lateinamerika für die Herstellung von Software und Informatik-Dienstleistungen machen.

Schließlich gebe es viele verhältnismäßig billige, gut ausgebildete Experten sowie ein weiträumiges Breitband-Netz.

Was folgte, ist bekannt: Das Wirtschafts- und Finanzsystem Argentiniens fiel praktisch in sich zusammen. An staatliche Förderung oder billige Kredite war nicht mehr zu denken; die Reputation des Landes als Investitionsstandort war erst einmal dahin.

Dem Wirtschaftschaos zum Trotz haben sich allerdings die Voraussetzungen zur Herstellung von Software mit der starken Abwertung des argentinischen Peso stark verbessert. "Die Softwareproduktion kostet hier bis zu einem Zehntel weniger als in Europa und den USA", erklärt Gustavo Viceconti, Präsident von Neural Soft, einem argentinischen Hersteller von betriebswirtschaftlichen Anwendungsprogrammen: "Ein guter Kodierer kostet in Argentinien 500 $ im Monat, in den USA oder in Europa 4000 bis 6000 $."

Als Pionier richtete bereits Motorola ein Zentrum zur Herstellung von Internet-Programmen und Software für Mobilkommunikation in der Provinz Cordoba ein. Auch Oracle produziert im Lande. Da aber Investoren und Kunden wenig Vertrauen in ein Land haben, in dem die Regierung pausenlos gegen alle Regeln verstößt, wachen auch die Politiker langsam auf. Ein Gesetz zur Förderung der Softwareindustrie ist in der Mache. Dieses verspricht Steuervorteile und einen Fonds zur Finanzierung von neuen Produkten und Investitionen. Denn gerade letztere braucht das Land - und zwar dringend.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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