e-mail aus düsseldorf: Der Homo S@piens

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Der Homo S@piens

"Ich bin einsam und langweile mich", beklagt sich der Computer via Bildschirm. Erfolgsautor Ray Kurzweil stellt seine Leser im aktuellen Bestseller "Homo s@piens" vor ein philosophisches Gedankenexperiment: Kann ein mausgrauer Rechner Gefühle und Bewusstsein haben?

Zumindest mein Kollege will daran heute glauben. Eine falsch gedrückte Taste und der anwenderfreundliche PC hat seinen Text gelöscht. "Ich hasse dich", tönt es lautstark aus dem Nebenzimmer. Irren ist menschlich. Noch menschlicher ist es, die Schuld einem Computer zuzuweisen.

Die streng logische Sprache moderner Rechner hat mit der menschlichen wenig gemein - Probleme sind programmiert. Der britische Arbeitspsychologe Robert Edelmann erforscht daher die Geschichten einst friedfertiger Mitarbeiter, die ihren PC eines hässlichen Tages einfach aus dem Fenster schmissen. "Der Computer erschien ihnen bösartig und launenhaft - fast ein wenig menschlich."

Um Dramen dieser Art zu verhindern, haben clevere Firmen einen PC-Support: Hilfreiche IT-Geister bieten Kommunikation von Mensch zu Mensch - auch eine nicht ganz einfache Form der sprachlichen Verständigung. Denn unzählige Studien belegen, was IT-Spezialisten gerne vergessen: Wer mit künstlicher Intelligenz arbeitet, muss auch mit menschlicher Dummheit rechnen.

So wird es im Nachbarzimmer erneut laut. Eine Stunde schon versucht mein Kollege, telefonisch die IT-Spezialisten zu erreichen. Stunden später sitzt der Fachmann vor seinem Computer. "Ich verstehe ihr Problem nicht ", höre ich ihn sagen. Er verschwindet, um einen erfahreneren Spezialisten zu suchen. "Ich halte das nicht mehr aus", schreit mein Kollege. Es hört sich an als bearbeite er seinen Rechner mit den Fäusten. Manchmal ist es gut, dass Computer keine Gefühle haben.



Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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