E-Mail aus...Düsseldorf
Und sie bewegt sich doch

Der Begriff ist derart in Verruf geraten, dass er nicht mal mehr in der "Out"-Liste der "Bild"-Zeitung auftaucht: "New Economy". Pfui Bäh!

Was für ein Gütesiegel, wenn man über ein Unternehmen sagen kann: "Also, der Laden, der ist so richtig Old Economy." Aber ausgerechnet eine Berufsgruppe, die nun wirklich nicht für ihre flippige Art bekannt ist, ist nach wie vor ein glühender Anhänger der Neuen Wirtschaft - die Volkswirte. Ökonomen vornehmlich amerikanischer Provenienz, angestellt zumeist bei renommierten angelsächsischen Investment-Banken, geraten nach wie vor ins Schwärmen über die "New Economy".

Und das hat seinen guten Grund. Denn in den US-Wirtschaftsstatistiken hat das Phänomen eindeutige Spuren hinterlassen. Kaum ein ernst zu nehmender Volkswirt stellt daher mehr in Frage, dass es die "New Economy" tatsächlich gibt. Wichtigstes Indiz: Parallel zu den steigenden Investitionen in Computer- und Internet-Technologien ist die Arbeitsproduktivität in den USA seit Mitte der neunziger Jahre durch die Decke geschossen. Seit 1996 liegt das Produktivitätsplus stark über dem langjährigen Durchschnitt. Besonders erstaunlich: Selbst im Abschwung des vergangenen Jahres wurde die US-Wirtschaft effektiver - was in den Rezessionen der vergangenen 50 Jahre nie der Fall war.

Die Ökonomen sind sich einig: Nicht nur in der IT-Branche selbst hat der rasante technische Fortschritt die Effizienz gesteigert. Auch die Anwender werden dank der Technologie produktiver. Hinzu kommen so genannte "Spill-over-Effekte": Weil die Nutzer die neue Technik im Laufe der Zeit immer besser beherrschen, steigt die Effizienz quasi von alleine.

Allerdings ist die ganze Geschichte auch ein zweischneidiges Schwert: Denn Computer und E-Business verschärfen massiv den Wettbewerb zwischen den Unternehmen - zum Beispiel, weil die Kunden im Internet Preise leichter vergleichen können, und neue Unternehmen einfacher in den Markt eintreten können. Beides setzt die Gewinnmargen der Firmen unter Druck. Das lässt sich ebenfalls an den Statistiken ablesen: Der Anteil der Unternehmensgewinne am Bruttosozialprodukt liegt in den USA derzeit trotz aller Produktivität unter dem historischen Schnitt - gute Nachrichten für Verbraucher, schlechte für Aktionäre.

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