E-Mail aus Japan
Die tausend Augen von Osaka

Yakuza aufgepasst: In der schönen neuen Mobilfunkwelt wird sich Verbrechen für Japans berüchtigte Mafiosi bald nicht mehr lohnen. Schließlich ist Nippons Polizei technologiefreundlich wie der Rest des Landes und neuen Gimmicks gegenüber immer aufgeschlossen.

Die Metropole Osaka wurde gerade an das nagelneue UMTS-Netz des japanischen Mobilfunk-Marktführers NTT Docomo angeschlossen. Und schon haben die Ordnungshüter einen Plan ausgeheckt, wie sie mit der mobilen Datenübertragungstechnik den Verbrechern eine High-Tech-Falle stellen können.

Japans Al Capones zittern. Die ersten sollen ihren Machenschaften bereits abgeschworen haben und nun eine sichere Existenz als biedere Handy-Verkäufer fristen. Damit wechseln sie quasi in die Sicherheitsbranche. Denn mit Hilfe der neuen UMTS-Mobilfunkgeräte kann die Polizei ihre Augen und Ohren künftig vertausendfachen: Entdeckt ein Handy-bewehrter Bürger dunkle Gestalten bei ihrem Machwerk, kann er Osakas Polizei über eine 24-Stunden-Videophone-Hotline direkt zuschalten. Die Beamten sind sicher, dass dadurch ihre Aufklärungsquote steigt.

Viel nötiger hätte so eine Hotline allerdings Großbritannien. Das Königreich wird von einer neuen Kriminalitätswelle gebeutelt. Schuld daran ist die Schwäche der Briten für "mobiles": Der Handy-Klau steigt so rasant, dass der oberste Richter nun schärfere Strafen für die Diebe gefordert hat. Diese üben ihr schmutziges Handwerk immer grober aus und verletzen ihre Opfer zunehmend. Doch statt den Übeltätern mit der Härte des Gesetzes zu drohen, sollte die Justiz lieber nach einer Video-Hotline wie in Osaka verlangen. Macht das Beispiel in Belfast, Liverpool oder London Schule, hat das Königsreich ein Problem weniger. Welcher Langfinger will schon beim Griff nach fremden Handys vom Objekt seiner Begierde gefilmt werden?

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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