E-Mail aus... Köln
Wenn die Chefs schweigen

Kein Wunder, dass die Deutschen so viel Kaffee trinken. In diesen Tagen ist der Gang in die Büroküche bei vielen krisengeschüttelten Unternehmen die einzige Möglichkeit, Informationsfetzen darüber zu sammeln, wie es denn weitergehen mag.

Vorstandschef entlassen? Kündigungen? Miese Zahlen? Egal, welche Katastrophe naht, deutsche Chefs kommunizieren ungern - eine Pressemitteilung per Massen-E-Mail ist oft das höchste der Gefühle. Dabei würden manchmal ein paar beruhigende Worte schon reichen.

Die technischen Möglichkeiten, um schnell viele Mitarbeiter zu erreichen, sind längst auf dem Markt. Auf der Mecon Creation in Köln, einem Fachkongress für digitale Medien, warnten die Teilnehmer einer Diskussion zum Thema Business-TV vor Kürzungen in der internen Kommunikation: "Wenn man hier spart, ist die Verunsicherung der Mitarbeiter nur noch größer", meint Oliver Christians, Business Development Manager bei Bavaria Film Interactive.

Simpel gefasste Hausmitteilungen reichten einfach nicht mehr, bestätigte Reinhard Schröder, Marketing-Chef des Business-TV-Produzenten Atkon aus Frankfurt: "Die Akzeptanz von TV-Übertragungen bei den Mitarbeitern steigt mit der Bedeutung des Themas. In der Krise sind Bewegtbilder viel authentischer." Das sieht auch Christians so: "Die Emotionalität ist erheblich höher."

Und deshalb ist Jürgen Stephan sicher: "Wenn man Menschen schnell und in großer Masse erreichen will, braucht man Business-TV", sagte der Geschäftsführer der Produktionsfirma BTI aus Hamburg. Eine Möglichkeit: Satellitenübertragungen. Statt Frühstücksfernsehen bekommen so die Mitarbeiter der Baumarktkette Hornbach ein eigens produziertes Programm vor dem Arbeitsantritt zu sehen. "Durch das gemeinsame Anschauen entsteht eine ganz andere Atomsphäre", behauptet Stephan.

Günstiger sind Übertragungen per Internet - allerdings müssen die Mitarbeiter über entsprechende gute Breitbandanschlüsse verfügen. "Ein unternehmenseigener Sender ist nicht nur teuer, sondern geht auch am Zielpublikum vorbei", meint Wolfgang Link, Chef der Kölner TV-Produktionsfirma Global Media Visions. Häufig drängelten sich die Mitarbeiter vor wenigen und zu kleinen Fernsehern, um etwas von den Sendungen mitzubekommen.

Doch egal über welchen Übertragungsweg: Für feige Chefs sind auch die neuen technischen Möglichkeiten nicht geschaffen. Atkon-Mann Schröder: "Wenn die Kamera auf den Vorstand gerichtet ist, sehen sie jedes Fältchen und merken genau, wie er auf kritische Themen reagiert."

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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