E-Mail aus...Madrid
Anspruch, Wirklichkeit und Spanien

Spanische E-Shopper könnten nach Herzenslust im Web einkaufen. Denn der Kreditkarten-Betrug im Internet schadet Unternehmen weitaus mehr als den Kunden, will die Handelsorganisation AECE jetzt ermittelt haben.

Grund der Untersuchung: Immer weniger Spanier waren bereit, ihre ohnehin sehr geringen Einkäufe im Web per Karte zu zahlen. Lieber zückten sie bei Lieferung der Waren ihre Portemonnaie. "Das hat uns beunruhigt", stellte AECE-Chef Fernando Pardo fest. Ob?s wirklich hilft?

Denn nicht nur die Zahl der Web-Einkäufer, auch die Zahl der Surfer südlich der Pyrenäen will nicht recht steigen: "Wir gehören zu den Letzten in Europa", sagt Pardo. Nur die Griechen klicken sich noch seltener durchs Netz. Selbst Nachbar Portugal hat größere Erfolge vorzuweisen - welch? Schmach.

Die Erklärung des AECE: In Spaniens Wohnzimmern stehen zu wenige Computer. Wenigstens in den Schulen soll nun alles besser werden: Regierungschef José María Aznar will 272 Millionen Euro locker machen, damit sich 2005 nur noch zwölf Schüler einen Computer teilen müssen. Heute sind es 33. Die Opposition indes feixt: Es sei nun schon das dritte Mal in der Legislaturperiode, dass der Präsident seinen Plan "Internet in der Schule" präsentiere.

Ein Zeichen der Zuversicht für die digitale Gesellschaft in Spanien verbreitet da eher die Iberia. Die größte Fluggesellschaft im Land und mit Abstand der größte Verkäufer über das Netz erzielt heute drei Prozent des Umsatzes mit dem virtuellen Ticket-Verkauf. In drei Jahren sollen es 28 Prozent sein. Aber Vorsicht, denn gute Absichten sind auch in Spanien nicht gleichbedeutend mit guten Ergebnissen: So wie neulich bei der EU-Konferenz in Valencia. Zwar hatten die Spanier hier allen Journalisten massenhaft moderne Arbeitsplätze inklusive Computer bereit gestellt. Das hat sie aber offenbar technisch und organisatorisch so erschöpft, dass sie vergaßen, für genügend Dolmetscher zu sorgen. Unvergesslich und ebenso unverständlich war es so für jeden Anwesenden, als sich Palästinenser-Vertreter Nabil Schaat und arabische Journalisten auf einer Konferenz lebhaft in ihrer Heimatsprache austauschten.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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