E-Mail-Spur zu Terroristen: TU Harburg sicherte Daten
Weitere Terroranschläge jederzeit möglich

Nach Einschätzung von Experten existierten etwa 30 so genannte Schläfer-Nester in der Bundesrepublik, die jederzeit aktiviert werden könnten. Das Bundeskriminalamt soll derweil nach Informationen des "Stern" Hinweise auf einen geplanten Anschlag arabischer Terroristen gegen das Nato-Hauptquartier in Brüssel haben. Dies geht laut dem Magazin aus einer vertraulichen Lageeinschätzung der Staatsschutzabteilung in der Wiesbadener Fahndungsbehörde hervor.

dpa/rtr/ap HAMBURG. Der Sprecher des Bundeskriminalamts, Jürgen Stoltenow, wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen. Auf Anfrage verwies er in Wiesbaden darauf, dass aktuelle Einschätzungen der Gefährdungslage zu den Aufgaben des BKA gehören. Diese seien aber für die Polizei und sonstigen Sicherheitsbehörden bestimmt, das Amt gebe darüber grundsätzlich keine Auskünfte in der Öffentlichkeit.

In dem "Stern"-Bericht heißt es, das Sicherheitsbüro der Nato habe Hinweise, wonach "eine nicht identifizierte Gruppe arabischer Terroristen seit Mitte September einen Anschlag auf das Nato-Hauptquartier in Brüssel um den 1. Oktober plant". Weiter heiße es in der Einschätzung des Bundeskriminalamts, die Nordatlantische Allianz schätze "das Szenario eines möglichen Anschlags als plausibel" ein.

Weiter berichtete das Magazin, das Szenario möglicher Anschläge in Europa sei am Montag auch Thema einer Runde mit den deutschen Geheimdiensten Militärischer Abschirmdienst, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst im Bundeskanzleramt gewesen. Nach Einschätzung der Experten existierten etwa 30 so genannte Schläfer-Nester in der Bundesrepublik, die jederzeit aktiviert werden könnten. Nach Abgleich mit allen anderen westlichen Geheimdiensten gingen die deutschen Sicherheitsexperten davon aus, dass islamistische Terror-Gruppen in der Lage sind, jederzeit 20 bis 30 Anschläge nach dem New Yorker Muster zu verüben.

E-Mail-Spur hat sich zerschlagen

Die vermeintliche E-Mail-Spur zu dem mit den Anschlägen in den USA in Verbindung gebrachten Hamburger Studenten Said Bahaji hat sich zerschlagen. Die ARD -"Tagesthemen" hatten am Dienstagabend berichtet, dass der in Marokko aufgewachsene Bahaji am Dienstag - also eine Woche nach den Anschlägen - mehrmals seine E- Mails abgerufen habe. Nicht Bahaji habe seine E-Mails abgerufen, sondern die TU-Harburg, sagte der Sprecher der Technischen Universität, Rüdiger Bendlin, am Mittwoch. Ziel sei es gewesen, die Daten für die Polizei zu sichern.

Nach den Zeitungsberichten wird der 26-Jährige Bahaji als logistischer Kopf der Hamburger Terrorgruppe gehandelt. Er soll sich in Pakistan aufhalten. Die Polizei hatte in der vorigen Woche seine Wohnung in Harburg durchsucht und seine Ehefrau als Zeugin vernommen. Der Nama Bahaji war auf der Mailing-Liste einer Internetseite aufgetaucht, die zum "Heiligen Krieg" aufruft. Ein Hacker habe das Verzeichnis der Abonnenten im Internet veröffentlicht, berichtete "Spiegel Online". Darunter sei auch die E-Mail-Adresse "bahaji@tu-harburg.de".

An der TU Harburg hatten die mutmaßlichen Selbstmord-Attentäter Mohammed Atta und Marwan Alshehhai studiert. Die Araber waren in den beiden Jets, die am 11. September in die Türme des World Trade Centers in New York stürzten.

Attentäter Mohammed Atta traf sich mit irakischem Geheimdienst

Außerdem wurde bekannt, dass Mohamed Atta (33), einer der Piloten, die eines der beiden Flugzeuge in das World Trade Center steuerten, sich in diesem Jahr offenbar mit einem irakischen Agenten in Europa getroffen hat. Aus Regierungskreisen in Washington verlautete am Dienstag, dies bedeute aber nicht notwendigerweise, dass die irakische Regierung die Anschläge mit Passagierflugzeugen unterstützt habe, bei denen die beiden Bürohochhäuser des World Trade Center in New York und das Pentagon nahe Washington getroffen wurden. Der US-Sender CBS hatte zuvor gemeldet, der Ägypter Atta habe sich mit dem Chef des irakischen Geheimdienstes getroffen.

Der Vater Attas, Mohammed el Amir Atta (65), bezeichnete seinen Sohn unterdessen als unschuldig. Vor Journalisten sagte der Vater, ein Rechtsanwalt, am Dienstag nahe Kairo, er wisse nichts über das Schicksal seines Sohnes. "Möglicherweise haben sie ihn getötet", sagte der Vater.

Nach den Anschlägen hatten verschiedene Geheimdienst-Experten dazu geraten, einen schärferen Blick auf den Irak zu richten. Der frühere CIA-Chef James Woolsey hatte erklärt, die Anschläge seien so perfekt organisiert gewesen, dass der Verdacht einer Unterstützung durch irgendeinen feindseligen Staat wie beispielsweise den Irak denkbar wäre. Ähnlich äußerte sich am Dienstag in Washington Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, indem er andeutete, möglich sei, dass die Attentäter Unterstützung von verschiedenen Staaten gehabt hätten.

Deutschland-Zentrale von bin Ladens Terrornetz möglicherweise in Frankfurt

Die Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch) berichtete unterdessen unter Berufung auf einen "ausländischen Geheimdienst", die Deutschland-Zentrale des islamistischen Terrornetzes von Osama bin Laden befinde sich "höchstwahrscheinlich" im Großraum Frankfurt am Main. Dort agiere ein libanesischer Autohändler als "logistischer Brückenkopf" und sorge für Wohnungen, Ausweise und Fahrzeuge. Sprecher von Bundeskriminalamt und Bundesregierung wollten den Bericht am Abend nicht kommentieren.

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