E-Mail von der Wall Street
Alles super, oder was?

An: henry.kravis@kkr.com: Die jährliche Firmenversammlung der Firmenjäger in München nannte sich auch dieses Jahr noch "Super Return". Doch Anspruch und triste Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Gerade Sie, lieber Herr Henry Kravis, haben in letzter Zeit keine angenehmen Auftritte gehabt. Sie mussten eine negative Rendite und drastische Abschreibungen melden.
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Es ist still geworden um die Buy-out-Könige des schon fast vergessenen Private-Equity-Booms. Gedämpft und bescheiden war zuletzt die Stimmung auf dem jährlichen Branchentreffen der Firmenjäger in München. Dass die Versammlung immer noch "Super Return" heißt, zeigt, wie weit Anspruch und triste Wirklichkeit inzwischen auseinanderklaffen. Haben Sie, lieber Henry Kravis, doch in der gleichen Woche das Ergebnis ihres Tochterfonds KKR Private Equity Investor (KPE) vorgelegt. Kein angenehmer Auftritt für einen erfolgsverwöhnten Finanzinvestor. Der Fonds meldete eine negative Rendite von 0,1 Prozent für 2007. Zugleich mussten Sie den Wert der Beteiligungen an sieben Portfolio-Firmen drastisch abschreiben. Darunter der Fernsehsender Pro Sieben und der Autoteile-Spezialist ATU.

Wie sehr die Begeisterung der Investoren für Private Equity nachgelassen hat, lässt sich an dem Börsenkurs von KPE ablesen. Um mehr als ein Drittel ist die Notierung in den vergangenen zwölf Monaten gesunken. Damit wird Ihr vor zwei Jahren in Amsterdam aufgelegter Fonds fast 40 Prozent unter dem Buchwert seiner Vermögensanlagen gehandelt. Ihrem Erzrivalen Stephen Schwarzman geht es nicht besser. Seine Firma Blackstone hat in diesem Jahr bereits 30 Prozent an der Börse eingebüßt. Die Leidtragenden sind vor allem die Investoren. Man sollte eben nicht kaufen, wenn Kravis, Schwarzman & Co verkaufen.

Abschreiben sollte man die gebeutelte Branche jedoch noch lange nicht. Wie findig die smarten Finanzakrobaten sind, zeigt sich darin, dass sie jetzt die Staatsfonds aus Asien und dem Mittleren Osten als Geldgeber für ihre Firmenjagd entdeckt haben. Da einige institutionelle Anleger vorsichtiger und die Banken mit Krediten knauseriger geworden sind, bleibt den Buy-out-Managern nichts anderes übrig.

KKR sei seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, haben Sie ihren frustrierten Anlegern zugerufen. Für alle, die auf das schnelle Geld gesetzt hatten, ist das kein Trost. Wer einen langen Atem hat, kann jedoch auf die nächste Party hoffen. Hat die Private-Equity-Branche doch bereits nach der ersten Krise Ende der 80er-Jahre gezeigt, dass sie Rückschläge wegstecken kann. Das nächste goldene Zeitalter für Finanzinvestoren kommt bestimmt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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