E-Mail von der Wall Street
Arm in Arm in den Crash

Wer hätte das gedacht? Der größte Hedge-Fonds-Manager des Landes sind Sie, lieber Herr Ackermann. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Ihrem Nachbarhaus Dresdner Kleinwort. Da mag vielleicht Finanzminister und Hedge-Fonds-Jäger Steinbrück blass werden, in der Finanzwelt ist das längst ein offenes Geheimnis.

an: josef.ackermann@db.com

Zwei Analysten der Dresdner Kleinwort haben Ihre Investmentbank mit dem amerikanischen Hedge-Fonds Citadel verglichen, lieber Herr Ackermann. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter beider Häuser sind ähnlich ausgebildet, die Handelsstrategien vergleichbar, und beide Firmen nutzen eine hohe Verschuldung, um hohe Renditen zu erwirtschaften. Mit anderen Worten, das Schmuckstück der Deutschen Bank ist ein riesiger Hedge-Fonds.

Da mag vielleicht Finanzminister und Hedge-Fonds-Jäger Steinbrück blass werden, in der Finanzwelt ist das längst ein offenes Geheimnis. Ihr großer Rivale Goldman Sachs gilt seit langem als größter Hedge-Fonds der Welt und wurde gerade von JP Morgan noch übertroffen. Die Dresdner-Analysten haben aber noch mehr interessante Dinge zu Tage gefördert. Zum Beispiel, dass die Deutsche Bank nicht nur als Hedge-Fonds agiert, sondern mit den risikoverliebten Finanzjongleuren auch ihre besten Geschäfte macht. So gehen etwa ein Viertel Ihrer Handelseinnahmen auf Geschäfte mit Hedge-Fonds zurück. Das entspricht etwa 17 Prozent Ihres Konzerngewinns vor Steuern.

Ihre Schicksalsgemeinschaft mit den Finanzakrobaten hat aber auch eine Kehrseite. Verdient doch die Branche ihre hohen Renditen mit einer simplen Wette. Die meisten Hedge-Fonds setzen darauf, dass der Wert von riskanten, aber hochverzinslichen Anlagen steigt und der Wert von Investments mit geringen Renditen fällt. Mit geliehenem Geld lassen sich die erzielten Gewinne um ein Vielfaches multiplizieren. Das Glücksspiel funktioniert jedoch nur so lange die Risikoprämien an den Finanzmärkten stabil sind oder sinken.

Wenn die Anleger wie zurzeit aus risikoreichen Anlagen fliehen und sich die Risikoprämien wieder erhöhen, kann es nach Meinung der Experten zu einer verlustreichen Gegenbewegung wie beim Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM 1998 kommen. Dass die Autoren auch zwischen LTCM und Citadel Ähnlichkeiten entdecken, nachdem sie zuvor den US-Fonds mit der Deutschen Bank in einen Topf geworfen haben, sollte Ihnen zu denken geben, Herr Ackermann.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%