E-Mail von der Wall Street
Aus der Trickkiste

Immer mehr Großbanken versuchen, riskante Kreditpakete für Übernahmenfinanzierungen zu verkaufen. Abnehmer sind aber nur zu finden, wenn die Pakete mit einem deutlichen Preisabschlag angeboten werden. Und bezahlt wird in der Regel auf Pump. Ob sich solche Geschäfte für die Banken lohnen?
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an: vikram.pandit@citi.com cc: josef.ackermann@db.com

Not macht erfinderisch. Und die Not muss schon sehr groß sein, um auf jene Ideen zu kommen, mit denen jetzt die Großbanken Citigroup und Deutsche Bank versuchen, sich riskante Kreditpakete für Übernahmefinanzierungen vom Hals zu schaffen. Erst tastete sich Citi vor und ließ an der Wall Street durchsickern, man wolle stark gehebelte Finanzierungszusagen in Höhe von rund zwölf Mrd. Dollar an "Geierfonds" von Private-Equity-Firmen verkaufen. Kurz darauf hieß es, auch die Deutsche Bank könne endlich Kreditballast aus der Finanzkrise abwerfen.

Nach Schätzungen der französischen Großbank BNP Paribas haben Citi und Deutsche mit Abstand am meisten der noch unverkauften Kreditpakete aus dem Buy-out-Boom in ihren Büchern. Nun ist es jedoch nicht so, dass die "Geier" an der Wall Street plötzlich barmherzig geworden sind. Sie lassen sich den riskanten Giftmüll der Kreditkrise vielmehr auf einem silbernen Tablett servieren. Nicht nur werden die Pakete mit Preisabschlägen von mindestens zehn Prozent vom Nennwert angeboten. Die Banken bieten Käufern auch gleich eine günstige Finanzierung mit neuen Krediten an.

Sie haben richtig verstanden, lieber Leser. Kreditpakete, die mit einem Wert von 100 in den Büchern der Banken stehen, werden zum Preis von 90 oder weniger verkauft. Bezahlt wird das auf Pump. Die "Geier" müssen allenfalls 30 Eigenmittel mitbringen und bekommen für die Darlehen von 60 noch einen besonders günstigen Zinssatz oben drauf.

Für die Private-Equity-Firmen ist das ein fast unmoralisch attraktives Angebot. Ob sich das Geschäft auch für Citi und Deutsche Bank lohnt, muss man dagegen bezweifeln. Sie erhalten zwar mehr finanziellen Spielraum für Neugeschäfte, bluten dafür aber kräftig und bekommen durch die Hintertür der Finanzierung einen Teil jener Risiken zurück in die eigenen Bücher, die sie loswerden wollten. Auch wenn um die Konditionen noch gerungen wird, lässt sich bereits jetzt eines festhalten: Mit dem forschen Plädoyer von Ackermann & Co., alle Risiken transparent zu machen, lassen sich solche Taschenspielertricks kaum vereinbaren. Führenden Notenbankern, die von dieser Finanzakrobatik hören, stehen zu Recht die Haare zu Berge.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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