E-Mail von der Wall Street
Bitte keine Kleinigkeiten!

Ein alter Studienfreund von Ihnen, lieber Stephen Schwarzman, hat einmal gesagt, Sie würden einfach keine kleinen Sachen mögen. Seien es Geburtstagsfeiern oder Firmenübernahmen. Der Mann hat Recht.

An: Schwarzman@blackstone.com

Pünktlich zu Ihrem 60. Geburtstag nächste Woche haben Sie sich selbst das größte Geschenk gemacht. Zumindest nach den Maßstäben Ihrer Private-Equity-Branche. Für einen Kaufpreis von 23 Mrd. Dollar plus 16 Mrd. Dollar Schulden hat Ihre Firma Blackstone den größten Besitzer von Bürogebäuden in Amerika geschluckt. Nur die Statistiker beharren noch darauf, dass Ihr Erzrivale Henry Kravis von KKR vor fast 20 Jahren etwas mehr Bargeld für den Tabakriesen RJR Nabisco auf den Tisch gelegt hat. Für den Rest der Welt sind Sie, Stephen Schwarzman, jetzt der neue Buyout-König.

Was liegt da näher, als auch Ihren Ehrentag in stilgerechter Größe zu feiern? Und so haben Sie für Dienstag 1 500 ihrer Freunde zu einer großen Geburtstagsparty eingeladen. Jeder, der in der New Yorker Finanzwelt Rang und Namen hat, ist dabei. Nur nicht Henry Kravis, der wollte nicht kommen. Vielleicht auch ganz gut so, hält er sich doch selbst für den größten Firmenjäger.

Dass Ihre Party ausgerechnet in einem ehemaligen Waffenlager an der noblen Park Avenue steigen soll, passt durchaus ins Bild. Gleichen die heutigen Übernahmeschlachten doch mitunter militärischen Strategiespielen. Jeder Schachzug des Gegners wird sofort gekontert. Beim Immobilien-Deal haben Sie ihren Konkurrenten gleich drei Mal mit einem Überraschungsangriff in die Defensive gedrängt.

Ob Sie an Ihrem Geburtstagsgeschenk lange Freude haben werden, ist allerdings eine ganz andere Frage. Offenbar war der Immobilien-Deal so teuer, dass Sie jetzt die ersten Objekte schon wieder verkaufen müssen, damit die Rechnung für Ihre Investoren am Ende noch aufgeht. Bei einer Marke von knapp 40 Mrd. Dollar wird die Luft eben schon sehr dünn, wenn man seinen Geldgebern hohe zweistellige Renditen versprochen hat. Das hat übrigens 20 Jahre vor Ihnen bereits Ihr Konkurrent Kravis zu spüren bekommen. Finanziell hat sich der legendäre Sieg im Kampf um RJR Nabisco für KKR nie bezahlt gemacht. Wahre Größe bemisst sich eben nicht nur daran, wie viel Geld jemand auf den Tisch legen kann. riecke@handelsblatt.com

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