E-Mail von der Wall Street
Codename „FAS 140“

Das Kürzel "FAS 140" sollten Sie sich merken, liebe Banker an der Wall Street. Dahinter verbirgt sich ein Financial Accounting Standard, von dem nicht nur ihr nächster Bonus, sondern auch Ihr Job abhängen könnte.
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Das Kürzel "FAS 140" sollten Sie sich merken, liebe Banker an der Wall Street. Dahinter verbirgt sich ein Financial Accounting Standard, von dem nicht nur ihr nächster Bonus, sondern auch Ihr Job abhängen könnte. Der amerikanische Financial Accounting Standards Board - kurz FASB genannt - ist nämlich drauf und dran, jene verrufenen Zweckgesellschaften in die Bilanzen der Banken zu beordern, die Kreditinstitute wie die Citigroup fast zum Stolpern gebracht hätten. Der FASB ist der Gralshüter der US GAAP - das sind die ehemals heiligen Bilanzvorschriften in den USA, die erst durch den Enron-Skandal und jetzt durch die Finanzkrise viel von ihrem Glanz verloren haben.

Genau deshalb sind die Aufseher vom FASB gerade dabei, die Bilanzbibel Amerikas zu überarbeiten. Gestoßen sind sie auch auf die Zweckgesellschaften der Banken, die im Fachjargon "qualified special-purpose entities" heißen und der breiten Öffentlichkeit auch als "structured investment vehicles" in schlechter Erinnerung sind. Dort haben die Banken alle möglichen Kreditprodukte geparkt, die sie lieber nicht in der eigenen Bilanz sehen wollen. Warum? Jeder Eintrag im Kreditbuch einer Bank bindet Kapital - und begrenzt die Möglichkeiten, neue Kredite zu vergeben. Genau das war die Absicht des Basel-I-Abkommens, das die Banken mit den Zweckgesellschaften später ausgehebelt haben.

Nun versuchen also die Aufseher Anschluss an die trickreichen Banker zu finden und drohen damit, das Konzept der geheimen Kreditparkplätze zu "eliminieren". Was wie eine Fußnote der Wall Street klingt, könnte das bisherige Geschäftsmodell vieler Finanzhäuser aus den Angeln heben. Noch immer sind nämlich Kreditderivate in Milliardenhöhe außerhalb der Bankbilanzen geparkt. Das Branchenblatt "The Banker" erinnert daran, dass sich ein Großteil jener Vermögenswerte von 500 Mrd. Dollar, die von der Citigroup in den nächsten Jahren abgestoßen werden sollen, in der "bilanziellen Tiefgarage" befindet. Wandert dieser Schrott der Finanzkrise in die Bilanz der Großbank, kann sich Citi-Chef Vikram Pandit seine Hoffnungen auf eine Rückkehr zu alter Größe abschminken. Für die Banker in New York und anderswo könnte die Finanzkrise also noch ein böses Nachspiel haben.

riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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