E-Mail von der Wall Street
Der heimliche König

Wer in diesen Tagen nach dem smartesten Banker an der Wall Street sucht, hat es schwer. Die Finanzkrise hat die Reputation fast aller Finanzprofis ramponiert. Wenn es in dieser trüben Zeit überhaupt noch einen Glanzpunkt gibt, dann ist es Ihr Vermögensverwalter Blackrock, Mr. Fink. Eine E-Mail an laurence.fink@blackrock.com.

Kaum jemand außerhalb der Wall Street kennt Sie, und doch sind Sie vermutlich der größte Gewinner der zu Ende gehenden Finanzkrise. Blackrock hat diese Woche der Schweizer Großbank UBS "radioaktive" Hypothekendarlehen im Volumen von 15 Mrd. Dollar abgekauft. Nicht aus Gutherzigkeit, sondern in der Hoffnung, dass der Schrott der Subprime-Krise nach ein paar Jahren wieder zu Gold wird.

Blackrock gilt als erste Adresse für die Entsorgung des Giftmülls der Wall Street. Bereits die US-Notenbank hat den cleveren Vermögensverwalter engagiert, um den 30 Mrd. Dollar schweren Nachlass der beinahe pleitegegangenen Investmentbank Bear Stearns zu managen. Auch der US-Bundesstaat Florida rief Blackrock zur Hilfe, um seine Subprime-Risiken in den Griff zu bekommen. Und als US-Finanzminister Hank Paulson im vergangenen Jahr aus lauter Verzweiflung einen Auffangfonds (Super-SIV) für bankeigene Zweckgesellschaften gründen wollte, waren Sie ebenfalls zur Stelle, Mr. Fink.

Bereits 2006 haben Sie das drohende Unwetter kommen sehen und sich aus dem riskanten Hypothekengeschäft verabschiedet. Stattdessen wettete Ihr Hedge-Fonds Obsidian konsequent auf einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes - und strich damit kräftige Gewinne ein.

Ihr Erfolgsgeheimnis ist simpel. Als Pionier der Verbriefung von Hypotheken haben Sie sich in den 80er-Jahren kräftig die Finger verbrannt - und das nicht vergessen. Seitdem ist das Risikomanagement Chefsache bei Blackrock. Mit einem verwalteten Vermögen von 1,4 Billionen Dollar haben Sie offenbar das Vertrauen Ihrer Anleger und können jetzt problemlos Geld für "Geierfonds" einsammeln. Die Banker, die in der Finanzkrise noch immer einen schweren Schicksalsschlag aus heiterem Himmel sehen und sich damit aus der Verantwortung stehlen wollen, sollten sich die Geschichte von Blackrock etwas genauer ansehen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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