E-Mail von der Wall Street: Freund oder Rivale?

E-Mail von der Wall Street
Freund oder Rivale?

Wozu brauchen Sie, lieber Lloyd Blankfein, 19 Mrd. Dollar? So viel haben Sie angeblich bei reichen Investoren und institutionellen Anlegern für Ihren jüngsten Beteiligungsfonds eingesammelt. Das ist mehr als Sie benötigen, um damit die Deals ihrer Kundschaft nur abzurunden.

An: lloyd.blankfein@goldman.com

Bislang galt die Maxime, dass Goldman Sachs zusammen mit seinen Kunden aus der Private-Equity-Branche investiert, um deren Transaktionen leichter unter Dach und Fach zu bekommen. Aber 19 Mrd. Dollar?

Es spricht deshalb einiges dafür, dass Sie und Ihre Goldmänner nicht nur finanzielle Maniküre betreiben wollen. Offensichtlich geht es Ihnen vielmehr darum, im globalen Buyout-Monopoly kräftig mitzumischen. Das kann man gut verstehen. Haben Ihre Beteiligungsfonds doch in den vergangenen sieben Jahren eine atemberaubende Rendite von 42 Prozent eingebracht. Die Verwaltung Ihres 19-Mrd.-Dollar-Fonds würde Goldman hingegen zu den geltenden Marktsätzen nur rund 285 Mill. Dollar pro Jahr einbringen.

Das schmeckt nach mehr. Da nimmt man selbst Konflikte mit den eigenen Kunden in Kauf. Denn für die sind Sie schon seit längerem nicht mehr nur Berater und Finanziers, sondern auch potenzielle Konkurrenten. Mit 19 Mrd. Dollar können sie jetzt auf Augenhöhe mit den Private-Equity-Königen Blackstone und KKR investieren.

Anders als andere Banker haben Sie, Lloyd Blankfein, die Interessenkonflikte ihres Gewerbes nie geleugnet. Stattdessen hat Goldman immer betont, es komme darauf an, die Konflikte richtig zu managen. Darauf bin ich gespannt. 2006 haben Sie von ihren Private-Equity-Kunden rund 666 Mill. Dollar Gebühren für die Beratung bei Firmenübernahmen und Börsengängen kassiert. Das ist eine hübsche Summe, die man nicht so ohne weiteres aufs Spiel setzen will.

Genau das kann Ihnen jedoch blühen, wenn andere Finanzinvestoren oder Unternehmenskunden nicht mehr ganz sicher sind, ob Ihre Goldmänner noch als Berater für sie tätig sind oder schon konkurrierende Übernahmepläne schmieden. Nach Angaben eines Ihrer Top-Manager verbringen Ihre Mitarbeiter etwa 20 Prozent ihrer Zeit damit, Interessenkonflikte mit der Kundschaft zu lösen. Mehr wäre auch nicht gut für das Geschäft.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%