E-Mail von der Wall Street
Good-bye, Mr. Subprime

In den USA wurde jahrelang die Kreation und der Verkauf von riskanten Kreditderivaten mit hohen Bonuszahlungen belohnt. Mit fatalen Folgen für die gesamte Wirtschaft, wie die internationale Finanzkrise zeigt.
  • 0

an: angelo.mozilo@countrywide.com

Wenn je es einen "Mr. Subprime" gegeben hat, dann waren Sie es vermutlich, Herr Mozilo. Als Chef des größten US-Baufinanzierers Countrywide haben Sie zugeschaut, wie Ihr Unternehmen jahrelang vielen leichtgläubigen Amerikanern riskante Hypotheken aufgeschwatzt hat. Die Quittung dafür liegt jetzt auf dem Tisch: Countrywide hat allein im zweiten Halbjahr 2007 Verluste von 1,6 Mrd. Dollar eingefahren. Der Börsenwert ist um 80 Prozent gefallen. Mehr als 11 000 Mitarbeiter sitzen auf der Straße. Rund 90 000 Hypotheken befinden sich in der Zwangsvollstreckung. Am Ende blieb Ihnen nichts anderes übrig, als Countrywide für vier Mrd. Dollar an die Bank of America zu verkaufen.

Wahrlich keine Glanzleistung für einen Manager. Aber haben Sie wirklich die Quittung dafür bekommen? Okay, Sie sind durch den Verkauf von Countrywide Ihren Job los. Doch sollte Ihnen der vorzeitige Ruhestand durch einen goldenen Handschlag von angeblich mehr als 100 Mill. Dollar versüßt werden. Nach einem öffentlichen Aufschrei haben sie schnell auf 37,5 Mill. Dollar verzichtet. Arbeiten müssen Sie vermutlich dennoch nicht mehr. Die Subprime-Trickserei hat sich also unterm Strich bezahlt gemacht. Das gilt übrigens auch für die ehemaligen Wall-Street-Größen Charles Prince (Ex-Citigroup) und Stan O'Neill (Ex-Merrill-Lynch), die zwar die Risiken nicht im Griff hatten, aber trotzdem die Hand aufgehalten haben.

Dieses "Trio Infernale" wird demnächst vor dem US-Kongress erklären müssen, wieso die Kassen so vieler Hausbesitzer leer und die eigenen Taschen voll sind. Keine leichte Aufgabe. Die Antwort auf die Frage liegt im perversen Anreizsystem der Finanzbranche. Jahrelang wurde die Kreation und der Verkauf von riskanten Kreditderivaten mit hohen Bonuszahlungen belohnt. Dass die komplexen Finanzinstrumente sich mittelfristig als Teufelszeug erweisen könnten, spielte keine Rolle. Hauptsache die Einnahmen der Banken wurden kurzfristig gesteigert.

Wer den ewigen Zyklus von "Boom and Bust" an der Wall Street durchbrechen will, muss die Anreize für die Banker ändern. Ein großer Teil ihrer Erfolgsprämien darf erst ausgezahlt werden, wenn ihre Arbeit und ihre Produkte sich auch auf lange Sicht bezahlt gemacht haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%