E-Mail von der Wall Street
Günstige Einkäufe

Die Investment-Bank Bear Stearns, das kleinste der großen Wall-Street-Häuser, wackelt. Seit Jahresbeginn ist der Börsenkurs um 34 Prozent gefallen - das hat die Investment-Bank zu einem begehrten Übernahmeziel gemacht. An Interessenten besteht kein Mangel. Von HSBC über Barclays bis hin zur Bank of America reicht die Liste der möglichen Käufer.

HB. Noch immer halten die US-Banken dem Sturm auf den Finanzmärkten stand. Das einzige Institut, das wackelt, ist Ihr Haus, Mr. Cayne: die Investmentbank Bear Stearns. Der Untergang zweier Hedge-Fonds im Juni hat das kleinste der großen Wall-Street-Häuser zu einem Übernahmeziel gemacht. Der Börsenkurs ist seit Jahresbeginn um 34 Prozent abgesackt. Mit einem Marktpreis von 15,6 Milliarden Dollar kommt Bear Stearns gerade mal auf das 1,2-fache seines Buchwertes, der sich als Vermögen minus Verbindlichkeiten definiert. Wer mag da nicht zugreifen?

Das dachte sich wohl auch der britische Investor Joseph Lewis, nahm 860 Millionen Dollar in die Hand und kaufte damit sieben Prozent der Anteile. Das macht Lewis noch vor Ihnen, Mr. Cayne, zum größten Einzelaktionär von Bear Stearns. Dass der ausgekochte Brite selbst das Ruder der Bank in die Hand nehmen will, ist allerdings kaum zu erwarten; Lewis setzt vielmehr darauf, dass ein anderer Bankenriese zugreift und er eine kräftige Übernahmeprämie kassieren kann.

Bear Stearns bietet ein überaus lukratives Anleihegeschäft und gilt trotz des Hedge-Fonds-Debakels als einer der besten Risikomanager an der Wall Street. Für ausländische Banken wäre das Institut eine ideale Möglichkeit, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen.

Ein Interessentenkreis wird allerdings völlig übersehen: die Private-Equity-Firmen. Warum sollte nicht ein Buyout-König wie Stephen Schwarzman von Blackstone eine Bank wie Bear Stearns kaufen? Das nötige Kleingeld hätte die Firma nach ihrem Börsengang im Sommer. Außerdem wird Blackstone immer noch mit dem Geld institutioneller Investoren überschüttet. Gerade hat Schwarzman einen neuen Buyout-Fonds mit einem Volumen von mehr als 20 Milliarden Dollar geschlossen. Das Geld muss angelegt werden. Da aber den Firmenjägern durch die Liquiditätskrise an den Kreditmärkten die großen Übernahmeziele in der Unternehmenswelt ausgehen, wäre eine Expansion im Finanzbereich eine naheliegende Ausweichstrategie. Und Schwarzman könnte sich nebenbei seinen Traum erfüllen, den etablierten Wall-Street-Häusern noch mehr Konkurrenz zu machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%