E-Mail von der Wall Street
Mathematik statt Party

Hedge-Fonds-Manager wie Sie, lieber Jim Simons, seien die neuen Meister des Universums, schreibt der US-Autor Tom Wolfe. Namen wie Stephen Schwarzman, Steve Cohen und Paul Tudor Jones kommen einem dabei in den Sinn. Auf Jim Simons würden jedoch nur wenige kommen. Die meisten kennen noch nicht einmal Ihren Namen.

an: james.simons@renaissance.com

Einen "Master of the Universe" habe ich mir anders vorgestellt, lieber Jim Simons. Diesen Titel vergab der US-Autor Tom Wolfe in seinem legendären Buch "Im Fegefeuer der Eitelkeiten" an die arroganten Investmentbanker in den 80er-Jahren. Seit jedoch Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds an der Wall Street den Ton angeben, hat Wolfe das zweifelhafte Prädikat neu vergeben.

Hedge-Fonds-Manager wie Sie seien die neuen Meister des Universums, schreibt der Literat heute. Namen wie Stephen Schwarzman, Steve Cohen und Paul Tudor Jones kommen einem dabei in den Sinn. Auf Jim Simons würden jedoch nur wenige kommen. Die meisten kennen noch nicht einmal Ihren Namen.

Einmal im Jahr machen Sie jedoch Schlagzeilen - immer dann, wenn die Fachzeitschrift "Alpha Magazine" den am besten verdienenden Hedge-Fonds-Manager kürt. Mit einem Jahresverdienst von 1,7 Mrd. Dollar lagen Sie zum zweiten Mal hintereinander vorne. Bei solchen Zahlen werden selbst die Spitzenverdiener an der Wall Street blass. Dennoch sieht man Sie weder mit einem Ferrari durch Manhattan fahren, noch lassen Sie sich wie Blackstone-Chef Stephen Schwarzman vom Pop-Sänger Rod Stewart ein Geburtstagsständchen singen. Stattdessen tüfteln Sie lieber in ihrer Firma Renaissance Technologies auf Long Island an neuen computergestützten Handelsstrategien, um noch mehr Geld zu verdienen. Mathematik statt Party.

Offenbar lohnt sich die Tüftelei. Sonst könnten Sie Ihren Investoren kaum fünf Prozent für die Verwaltung ihres Vermögens und mehr als 40 Prozent der erwirtschafteten Gewinne abknöpfen. Das ist doppelt so viel wie in der Branche üblich. Aber die Anleger haben keinen Grund zu murren. Selbst nach Abzug der Gebühren bleibt ihnen seit mehr als zehn Jahren immer noch eine stattliche Rendite von 36 Prozent.

Um Ihr Erfolgsgeheimnis ranken sich viele Gerüchte. Nur so viel ist bekannt: Sie haben angeblich 600 Mill. Dollar für Computer ausgegeben und beschäftigen mehr Mitarbeiter mit Doktortiteln als jeder andere Hedge-Fonds. Sogar Astronomen helfen Ihnen dabei, die Signale an den Finanzmärkten richtig zu deuten. Zurück bleibt der Eindruck von Genialität und harter Arbeit. Nicht das Schlechteste, was man über einen Hedge-Fonds-Manager sagen kann.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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