E-Mail von der Wall Street
Quarterback für die Börse

Es gibt noch Hoffnung. Die Börsianer an der Wall Street greifen in diesen Krisenzeiten nach jedem Strohhalm. Und sei es ein Football. Die New Yorker Footballmannschaft "Giants" durfte nach ihrem grandiosen Super-Bowl-Sieg über die "Patriots" aus Boston in dieser Woche den Handel auf dem Parkett einläuten.
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Das war nicht nur eine Verbeugung der Finanzprofis vor der sportlichen Leistung ihrer Lieblinge. Die Händler hatte noch etwas anderes im Sinn. Der Erfolg der Football-Giganten gilt unter den Sportfans an der Wall Street als zuverlässiges Signal für ein gutes Börsenjahr. In 33 der vergangenen 41 Jahre hat der sogenannte "Super-Bowl-Predictor" den Kurs des Dow Jones richtig vorhergesagt. Das ist eine Erfolgsquote von 80 Prozent.

Die Sache funktioniert ganz einfach: Immer wenn eine der Gründermannschaften der National Football League (NFL) die begehrte Trophäe gewinnt, gehen die Kurse im folgenden Jahr nach oben. Geht der Pokal dagegen an eine Mannschaft, die erst 1970 durch die Fusion mit der American Football League zur NFL gestoßen ist, dann ist an der Börse der Bär los. In diesem Jahr standen die Chancen Fifty-Fifty. Die "Giants" gehören zu den Traditionsmannschaften.

Ihr Sieg ist deshalb ein gutes Omen für die Börsianer. Hätten dagegen die später zur NFL gestoßenen "Patriots" gewonnen, könnten die Händler einpacken. Ist ihnen doch noch in böser Erinnerung, dass der Dow 2002 nach dem Sieg des Spitzenteams aus New England über die "Rams" aus St. Louis um fast 17 Prozent abschmierte. Als die "Giants" dagegen 1991 den Titel holten, schoss der Dow über 20 Prozent hoch.

Noch ist also nichts verloren nach dem verkorksten Start ins Börsenjahr 2008. Es kommt nur darauf an, dass man einen genialen Quarterback wie Eli Manning hat. Dass Sie in größter Bedrängnis den Football noch 76 Meter punktgenau zu Ihrem Teamkollegen David Tyree werfen konnten und damit den Grundstein zum Sieg legten, dieser sportliche Geniestreich sollte auch den Börsianern wieder Mut machen. Die Wall Street braucht einen Quarterback, der angesichts von Finanzkrise und Rezessionsängsten den Überblick behält. Eine Rolle, die eigentlich US-Notenbank-Chef Ben Bernanke spielen müsste. Doch der ist leider Baseball-Fan.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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