E-Mail von der Wall Street
Retter der Welt Gesucht

Das "Time"-Cover von 1999 ist noch heute legendär: Unter der Schlagzeile "Das Komitee zur Rettung der Welt" zeigte es den damaligen US-Finanzminister Robert Rubin, Stellvertreter Larry Summers und den Ex-Notenbank-Chef Alan Greenspan. Das Trio hatte gerade mehrere Finanzmarktkrisen gemeistert. Heute sucht die Finanzwelt wieder ein Rettungsteam. Eine E-Mail an henry.paulson@us.treasury.gov.
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Heute steht die Finanzwelt wieder am Abgrund und sucht dringend ein neues Rettungsteam. Wer sollte dazugehören? Als Finanzminister der größten Volkswirtschaft der Erde und Herr über die Subprime-Krise sind Sie, lieber Hank Paulson, quasi gesetzt. Auch an Ben Bernanke führt kein Weg vorbei. Der US-Notenbankchef sitzt schließlich am geldpolitischen Steuerknüppel der Weltwirtschaft. Fehlt also nur noch einer für das Trio der Weltretter. Da es sich bei der aktuellen Misere vor allem um eine Vertrauenskrise in die Finanzinstitute handelt, muss der letzte im Bunde ein Banker sein.

Und da wird es schwierig. Vergebens sucht man in diesen Tagen einen renommierten Banker mit Führungs- und Vorbildqualitäten. Entweder sind sie durch die Subprime-Krise als Nieten in Nadelstreifen entzaubert und gefeuert worden. Oder aber sie ducken sich weg - teils wegen mangelnder Courage, teils aus Angst, im eigenen Keller könnten auch ein paar Subprime-Leichen gefunden werden. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unternimmt zumindest den Versuch, die eigene Branche an ihre ökonomischen und ethischen Pflichten zu erinnern. Nach der Mannesmann-Affäre fehlt seinen Worten jedoch die Überzeugungskraft.

So wird das Führungsvakuum durch nassforsche Politiker und Finanzaufseher ausgefüllt. Sie profilieren sich mit Verstaatlichungen wie in Großbritannien, Zwangsmaßnahmen gegen Anleiheversicherer wie in Amerika oder Forderungen nach einer Weltfinanzpolizei wie in Deutschland. Wenn die Banker nicht aufpassen, werden sie bald wie Versorgungsunternehmen vom Staat an der kurzen Leine geführt. Zum Schaden für die Wirtschaft. Wir brauchen deshalb dringend einen Banker mit Courage und Integrität. Es geht um nichts Geringeres als um die Rettung der modernen (Finanz-) Welt.

riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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