E-Mail von der Wall Street
Riskante Brücken

Immer mehr Experten rechnen damit, dass die Spekulationsblase im Private-Equity-Geschäft bald platzen wird. Nur Sie, lieber Henry Kravis, reden weiterhin vom „goldenen Zeitalter“ für Ihre Branche und machen einen Milliardendeal nach dem anderen. Das Zauberwort heißt „bridge financing“.

an: henry.kravis@kkr.com

Sie, lieber Henry Kravis, machen einen Milliardendeal nach dem anderen. Dafür die nötigen Finanzmittel aufzutreiben, ist nach wie vor kein Problem. Zwar sehen wir immer weniger so genannter Club-Deals, bei denen sich mehrere private Finanzinvestoren die Kosten und Risiken einer Großübernahme teilen. Dafür springen jedoch umso häufiger große Banken in die Finanzierungslücke und bieten neben billigen Krediten auch eine direkte Beteiligung an der Transaktion an.

Das Zauberwort der Banker heißt „bridge financing“, was sich ins Deutsche nur unvollkommen als Überbrückungskredit übertragen lässt. Dabei handelt es sich nämlich nicht nur um kurzfristige Kredite, mit denen die Milliardendeals der privaten Firmenjäger zügig unter Dach und Fach gebracht werden. Vielmehr drängen die Buyout-Firmen ihre Banker auch dazu, sich direkt an dem aufgekauften Unternehmen zu beteiligen. Der Kauf der britischen Drogeriekette Alliance Boots ist dafür ein gutes Beispiel. Ihre Firma KKR, Mr. Kravis, hat dafür von einer Hand voll Banken eine so genannte „equity bridge“ in Höhe von 1,4 Milliarden Pfund erhalten.

Der Vorteil für die Private-Equity-Firmen ist offensichtlich: sie müssen weniger eigenes Kapital für den Kauf aufwenden. Die Banken sind dagegen nicht immer glücklich mit diesem finanziellen Brückenschlag – wird ihnen doch neben dem Kreditrisiko auch noch ein Investitionsrisiko aufgehalst. Läuft alles nach Plan, wird die Beteiligung nach kurzer Zeit an langfristige Investoren weitergereicht. Doch die müssen eben erst gefunden werden. Solange die Renditen im Buyout-Geschäft stimmen, ist das kein Problem. Einige Banken sind sogar froh, wenn sie als Ko-Investoren kräftig mitverdienen. Wenn die Renditekurve allerdings nach unten zeigt – und vieles deutet im Moment darauf hin–, können die Banken auf den hochriskanten Anlagen sitzen bleiben.

Deshalb hat US-Notenbankchef Ben Bernanke einen ersten Warnschuss abgegeben. Er sprach kürzlich von „bedeutenden Risiken“ im Private-Equity-Geschäft und kündigte an, die finanziellen Brückenbauer unter die Lupe zu nehmen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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