E-Mail von der Wall Street
Schreckliche Ideen

Handelsblatt-Korrespondent Torsten Riecke ist in dieser Woche über zwei Zitate vom Wall-Street Größen gestolpert: Eines stammte von Damie Dimon. Er hatte die so genannten "equity bridge loans" der Großbanken an Finanzinvestoren als eine "schreckliche Idee" bezeichnet. Sein Kollege Stan O'Neal blies ins gleiche Horn.

an: jamie.dimon@jpmorgan.com

Sie, lieber Jamie Dimon, haben die so genannten "equity bridge loans" der Großbanken an Finanzinvestoren als eine "schreckliche Idee" bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine kurzfristige Kapitalhilfe, damit die privaten Firmenjäger ihre Milliardendeals locker finanzieren können. Was eigentlich als Überbrückungshilfe gedacht war, entpuppt sich jetzt, da die Kreditmärkte den Buy-out-Firmen immer öfter die kalte Schulter zeigen, als riskante Investition wider Willen und ohne Gewinnaussicht. Als Chef von JP Morgan Chase wissen Sie, wovon Sie reden. Gehörte Ihre Bank doch bisher zu den eifrigsten Helfershelfern des Buy-out-Booms.

Ihr Kollege Stan O'Neal bläst ins gleiche Horn. Der Chef von Merrill Lynch spricht von einem "zeitweise feindlichen Marktumfeld", mit dem es die Wall Street zu tun habe. Gemeint ist damit die Forderung von Investoren, für den Kauf riskanter Firmenbonds und Hypothekenanleihen höhere Risikozuschläge und mehr Sicherheiten zu verlangen. Dass Mr. O'Neal die überfällige Rückkehr der Finanzmärkte zur Vernunft als "feindlich" betrachtet, zeigt nur, wie sehr sich die Wall Street an ein Leben im Überfluss und ohne Risiko gewöhnt hat.

Das bringt uns zurück zu Ihnen, Mr. Dimon, und den "schrecklichen Ideen" Ihrer Branche. Der Gedanke, den risikoverliebten Firmenjägern mit günstigen Krediten und Kapitalhilfen den Raketentreibstoff für ihren Übernahmeboom zu liefern, ist den Köpfen Ihrer Finanzprofis entsprungen. Wenn Sie jetzt das Teufelszeug so schnell wie möglich wieder vom Hals haben wollen, muss man schon fragen, ob bei den Banken in den letzten Jahren mehr die Gier als der Verstand regiert hat. Haben Sie und andere Banker sich doch von den Finanzinvestoren den Schneid mit Gebühren in Milliardenhöhe abkaufen lassen.

Kurzfristig mag sich das für Sie noch rechnen. Sonst hätte JP Morgan kaum einen Gewinnsprung von 20 Prozent ausweisen können. Wer sein Geld aber in Aktien von Investmentbanken anlegt, sollte auf der Hut sein. Dass Ihre Branche über ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zehn nicht hinaus kommt, hat auch damit zu tun, dass Investoren die riskanten Manöver der Banken kaum noch einschätzen können.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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