E-Mail von der Wall Street
Wer zu spät kommt ...

Es ist ziemlich still geworden um die selbst ernannten Buy-out-Könige von Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Das liegt sicher nicht nur daran, dass Unternehmen kurz vor einem Börsengang grundsätzlich zum Schweigen verpflichtet sind. Vielmehr sieht es so aus, als ob Ihre Private-Equity-Firma ihre Börsenambitionen erst einmal begraben müsste.

an: henry.kravis@kkr.com

In einer Phase, in der nahezu täglich schlechte Nachrichten von den Hypotheken- und Kreditmärkten kommen, ist der Appetit der Anleger auf riskante Investments deutlich gesunken, lieber Henry Kravis. Von den "goldenen Zeiten" für Ihre Branche, von denen Sie vor kurzem noch so euphorisch sprachen, kann jedenfalls keine Rede mehr sein.

Schauen Sie sich nur einmal an, was aus dem Börsenkurs ihres Erzrivalen Blackstone geworden ist. Gestartet ist die Aktie Ende Juni mit 31 Dollar. Jetzt pendelt sie knapp über 24 Dollar. Das ist ein Einbruch von knapp 23 Prozent innerhalb von sechs Wochen. Nicht gerade ein Vertrauensbeweis der Investoren. Wer sich ausgerechnet jetzt ins Private-Equity-Geschäft einkauft, da Blackstone-Chef Stephen Schwarzman verkauft, muss schon sehr geduldig sein. Dass die Analysten der großen Wall-Street-Banken sich jetzt mit Kaufempfehlungen für Blackstone überbieten, sollte einen nicht wundern. Die meisten Finanzhäuser haben zuvor den Börsengang der Private-Equity-Firma begleitet und verdienen gut, wenn es auch Blackstone gut geht. Das weckt Erinnerungen an die Jubelreporte der Wall Street in der Internetblase.

Was tun, Mr. Kravis? Da sie ohnehin kein festes Datum für Ihren Börsengang gegeben haben, kann man damit rechnen, dass KKR noch etwas abwarten und darauf hoffen wird, dass sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten wieder legen. Einen ersten Stimmungstest bieten die Finanzierungen für die Großübernahmen von Texas Utilities und First Data. Sollten die Investoren auf den Kreditmärkten diese beiden Deals im Herbst durchfallen lassen, wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr mit dem Börsengang von KKR. Ähnlich kalt erwischt wurde Ihre Firma bereits Ende der 80er Jahre, als die Buy-out-Blase ebenfalls auf den Kreditmärkten platzte. Ihr Rivale Schwarzman hat sich gerade noch retten können, für Sie könnte es bereits zu spät sein.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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