E-Plus senkt Preis für I-Mode-Handy
Nix für Landeier

Mit I-Mode wagt E-Plus den Schritt zum mobilen Internet - mit echtem Anfangserfolg. Doch taugt der Dienst auch für Business-Anwender?

Wenn die Rollade nach unten rauscht, bleibt die digitale Zukunft außen vor. Nichts ist es dann noch mit I-Mode, dem mobilen Internet, das das Örtchen Senden mit den Metropolen der Welt verbinden könnte. War der Empfang in der Pendlergemeinde 20 Kilometer vor Münster vorher schon nicht toll, verabschiedet sich das Handy nach Schließen der Fensterläden komplett aus dem E-Plus-Netz.

I-Mode ist eben nichts für Landeier. Aber ist die Auskunftei für die Westentasche, in Deutschland exklusiv bei E-Plus zu haben, etwas für Geschäftskunden? Immerhin betonte E-Plus - Chef Uwe Bergheim: "Wir haben bei den Diensten mehr Augenmerk auf professionelle Anwendungen als auf Daddelei gelegt." Kein Wunder: Geschäftskunden sind lukrativer, ihr Anteil an den gesamten E-Plus-Nutzern kletterte vergangenes Jahr von 7 auf 10 %. Die ersten I-Mode-Zahlen scheinen ermutigend: 27 400 Nutzer zählt E Plus - in Deutschland seit dem Start Mitte März, 80 % sollen zufrieden sein, sogar 92 % würden es weiterempfehlen.

I-Mode soll reisenden Managern den Alltag erleichtern

Reisende Manager dürften im I-Mode-Angebot einiges finden, das ihnen den Alltag erleichtert. Zuverlässig weist beispielsweise der Routenplaner von Falk den Weg durch den Einfamilienhaus-Dschungel von Münster-Nienberge. Fraglich allerdings, ob es der Verkehrssicherheit förderlich ist, einhändig zu fahren und ein Auge immer auf dem Handy zu lassen.

Erfreulich auch die Fahrplanauskunft der Bahn und die Restauranttipps von Marcellino?s. Die spannendste Anwendung aber enttäuscht: "Finder" soll die Position des Nutzers orten und ihm dann nahegelegene Bankautomaten, Tankstellen oder Restaurants anzeigen. Allerdings orientiert sich die Ortung an den nächstgelegenen Antennen von E-Plus. Ergebnis: Abweichungen von einem Kilometer und mehr sind selbst in der E-Plus-Heimat Düsseldorf eher Normalität denn Seltenheit.

Nachrichten via I-Mode

Wer Nachrichten sucht, hat es einfacher. Wie im World Wide Web ist auch bei I-Mode das Angebot des "Spiegel" der Maßstab in Sachen Kompetenz. Schneller, aber weniger unterhaltsam geschrieben, sind die Angebote der Nachrichtenagentur DPA. Die "Süddeutsche Zeitung" dagegen transportiert die besten Artikel aus der gedruckten Ausgabe eins zu eins in I-Mode - guter Stoff, dessen Lektüre auf einem Handy-Display aber zur Qual wird.

Dünn ist das Angebot an Nachrichten aus der Wirtschaft: Die DPA ist schnell, liefert aber wenig Hintergründe. Die "Financial Times Deutschland" schreibt gut, ist aber zu unaktuell - das Handelsblatt ist erst in Kürze dabei.

Das alles ist dennoch schön, schnell, gut - aber auf Dauer nicht billig. Die meisten Angebote müssen abonniert werden, Kosten: 1 bis 2 Euro im Monat. Dazu kommen Gebühren für die heruntergeladene Menge und 3 Euro monatlich als I-Mode-Zugang. Auf Druck der Nutzer wird E-Plus ab Mitte Juni eine ständige Kostenkontrolle bieten.

Immerhin: Es zählt nicht, wie lange der Nutzer Daten lädt, sondern allein deren Menge. Wer E-Mails verschickt und vielleicht mehrmals am Tag Aktienkurse prüft, gibt im Monat schnell 50 Euro aus - ohne einmal telefoniert zu haben. Ob das der Arbeitgeber zahlt? Wohl kaum. Doch dafür kann die imagebewusste Führungskraft in diesen Wochen noch mächtig damit prahlen, überhaupt dabei zu sein. Immerhin fällt das bisher einzige I-Mode-tüchtige Handy, das NEC 21i, kräftig auf - wenn es auch mit seiner siebenfarbigen Leuchtdiode nicht unbedingt als seriöses Business-Modell durchgeht.

Farb-Display frisst zuviel Energie

Ohnehin ist es für den Alltag des Geschäftsreisenden wenig geeignet: Das exzellente Farb-Display frisst viel Energie, abendliches Aufladen wird schnell zur Gewohnheit. Die Benutzerführung ist nicht immer logisch, bewegt sich allerdings im Rahmen des Erträglichen. Komplett mangelt es dem 21i aber an Wegen nach draußen: Bluetooth fehlt ebenso wie Infrarot-Technik, eine Verbindung zum Laptop fällt somit flach.

Bei der Rangliste der besten in Deutschland erhältlichen Handys des Fachblattes "Connect" belegt das Gerät derzeit Platz 63. Dafür mit Vertrag 249 Euro zu verlangen, ist mutig. Prompt senkte E-Plus Mitte April den Preis auf 149 Euro für Altkunden. Für Neukunden soll es bald 199 Euro kosten, ein zweites I-Mode-Modell von Toshiba soll in Kürze auf den Markt kommen. Doch auch das wird nicht dafür sorgen, dass in weniger dicht besiedelten Gegenden die I-Mode-Ära naht. Was für hippe Großstädter ein Statussymbol ist, bleibt für bodenständige Landbewohner ein unbrauchbares Spielzeug - spätestens, so bald die Rollade rauscht.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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