EADS befürchtet Abbestellungen nächstes Jahr
Höhenflug von Airbus vorerst gestoppt

Die Stürme im weltweiten Luftfahrtgeschäft haben den Aufschwung von Airbus erst einmal gestoppt. Die Konzernmutter EADS kündigte am Donnerstag in Amsterdam eine Kurskorrektur an.

ap AMSTERDAM. Von Massenentlassungen und Abbau wie beim US-Konkurrenten Boeing ist zwar noch lange keine Rede, aber die geplanten Neueinstellungen und Investitionen werden vorerst auf Eis gelegt. Die erreichte Höhe halten, heißt das neue Ziel.

Noch haben die Turbulenzen Airbus nicht erreicht. Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn der Muttergesellschaft erwartungsgemäß um 38 Prozent auf 764 Millionen Euro (1,5 Milliarden Mark). EADS-Vorstandschef Philippe Camus bekräftigte das Ziel, im Gesamtjahr den Umsatz um 20 Prozent und den Gewinn um 15 Prozent zu steigern.

"Im Moment haben wir keinen einzigen Antrag auf Stornierung", sagte Co-Chef Rainer Hertrich. Gegen die steigenden Dollarkurse, die europäische Flugzeuge teurer machten, habe sich EADS umfangreich abgesichert. Gespannt warte man darauf, mit welchen Hilfen die US-Regierung den gebeutelten Fluggesellschaften beispringen werde. Mit 1 682 Festaufträgen für 185 Milliarden Euro habe Airbus ein Auftragspolster für sechs Jahre.

Festaufträge für die nächsten Jahre sind regional breit gestreut

Aber schon in diesem Jahr rechnet EADS nur noch mit 320 statt 330 ausgelieferten Airbus-Flugzeugen. Für 2002 lägen zwar 375 feste Bestellungen vor, "von sehr zuverlässigen Kunden", sagte Camus. Die Festaufträge für die nächsten Jahre seien auch regional breit gestreut, nur ein Viertel entfalle auf die USA. "Die dramatische Situation macht aber eine Prognose für 2002 und darüber hinaus sehr schwierig", meinte der Vorstandschef. "Eine Menge kann sich ändern, das können sie sich ja ausmalen!" Und schließlich räumte er ein: "Die tragischen Ereignisse werden sich auf unsere Auslieferungen auswirken."

Die geplante Ausweitung der Airbus-Kapazität auf 400 Maschinen jährlich werde deshalb «auf Eis gelegt, bis sich der Markt wieder erholt". Mit der jetzigen Kapazität von gut 330 Maschinen könnten auch größere Schwankungen flexibel aufgefangen werden. Der Analyst Harry Breach von der Bank of America in London hält die abwartende Vorsicht für gerechtfertigt. Im Vergleich zu Boeing sei Airbus bei US-Fluggesellschaften nur halb so stark vertreten, bei Leasing- und Frachtgesellschaften aber doppelt so stark. «Wenn nicht einmal Airlines konkretere Erwartungen angeben können, dann ist es für Leasinggesellschaften erst recht zu früh", erklärte er.

"Der Luftverkehr wird langfristig wachsen"

Bei EADS wird oft auf das Beispiel Golfkrieg verwiesen, das der Branche eine zweijährige Wachstumsdelle eingebracht habe. Danach sei es dann um so rasanter aufwärts gegangen. Nun erwartet Hertrich eine Erholung ab 2003: "Der Luftverkehr wird langfristig wachsen." Deshalb gebe es auch keine Abstriche bei der Entwicklung des Großraumflugzeugs A 380, das Ende 2006 starten soll. Die Fluggesellschaften brauchten gerade in schwierigen Zeiten wirtschaftliche Flugzeuge. Die Lufthansa habe ihre Bestellung von zehn A380 nur vertagt. "Wir haben 67 Festbestellungen und rechnen bis Februar mit 100."

Von Airbus hängt das Wohl und Wehe von EADS ab. Zwar unterstrich Camus das "erstarkende Verteidigungsgeschäft" - sein Podium bei der Pressekonferenz war von großen Militärflugzeugmodellen wie dem Eurofighter und dem Kampfhubschrauber Tiger umstellt -, aber der Konzerngewinn hängt bislang allein an den Verkehrsflugzeugen. Die weit niedrigeren Profite aus den Bereichen Hubschrauber, Kampfflugzeuge und Raumfahrt wurden von den Verlusten bei Militärtransportern sowie vor allem bei Lenkwaffen und Verteidigungselektronik (DCS) komplett aufgefressen. DCS werde im zweiten Halbjahr aber schwarze Zahlen schreiben, betonte Camus.

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