EADS gibt am Donnerstag eine genauere Einschätzung bekannt
Terrorfolgen treffen Airbus weniger als Boeing

Die Krise in der Luftverkehrsbranche trifft den den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing deutlich härter als seinen großen europäischen Konkurrenten. Während Boing die Prognosen bis 2003 schon kräftig gestutzt hat, sind bei Airbus noch keine Stornierungen eingegangen.

dpa SEATTLE/TOULOUSE. Für Schlussfolgerungen sei es aber noch zu früh, sagte eine Airbus-Sprecherin am Mittwoch in Toulouse. Eine genauere Einschätzung der Lage will die Airbus-Mutter EADS an diesem Donnerstag in Amsterdam geben.

Besonders die weltweit operierenden US-Airlines sind von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Terroranschläge stark betroffen. Sie kürzen ihre Kapazitäten um rund 20 Prozent. Über die von Branchenexperten erwarteten Verschiebungen oder Stornierungen von Flugzeug-Bestellungen soll es bereits Gespräche zwischen Airlines und Flugzeugbauern gegeben haben.

Boeing wird 2001 nur noch 500 Maschinen ausliefern, gegenüber bisherigen Erwartungen von 538 Flugzeugen. 2002 werden die Auslieferungen auf gut 400 Maschinen fallen. Boeing hatte bisher damit gerechnet, dass die Fluggesellschaften 510 bis 520 Maschinen abnehmen würden. "Gegenwärtige Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Abwärtstrend 2003 fortsetzen wird", erklärte das Unternehmen. Deswegen sollen bis Ende 2002 rund 20 000 bis 30 000 Beschäftigte der Verkehrsflugzeugsparte mit derzeit 93 000 Mitarbeitern ihren Job verlieren. Insgesamt hat Boeing 199 000 Beschäftigte.

Airbus mit deutlich mehr Bestellungen als Boeing

Im Vergleich zu Boeing ist Airbus allerdings ohnehin in einer komfortableren Situation. Der US-Hersteller hatte sich erst in den vergangenen beiden Jahren von den schlimmen Folgen einer hausgemachten Produktionskrise im Verkehrsflugzeugbau erholt und auch die Folgen eines langen Streiks überstanden. Außerdem sitzt Airbus dem Branchenführer auf der anderen Seite des Atlantiks immer enger auf den Fersen. So haben die europäischen Flugzeugbauer ihre amerikanischen Konkurrenten in diesem Jahr bei den Bestellungen deutlich überflügelt.

Bis Ende August lagen Airbus 323 Bestellungen für geschätzt etwa 35 Milliarden Dollar vor. Boeing verbuchte nach den zuletzt bekannten Zahlen in diesem Jahr Bestellungen über 212 Maschinen. Außerdem hält sich Airbus nach den Worten eines EADS-Sprechers ein "sehr flexibles Produktionssystem" zu Gute. In der Vergangenheit seien Kapazitäten nur sehr behutsam aufgebaut worden. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass Airbus eher mit einem gebremsten Tempo beim Aufbau neuer Kapazitäten als mit Massenentlassungen auf die Krise der Branche reagieren dürfte.

Airbus steuert im EADS-Konzern einen Großteil der Gewinne und der Umsätze bei. Anfang August hatte EADS bereits angekündigt, für das Jahr 2003 werde nur noch mit der Auslieferung von rund 400 statt 450 Airbus-Flugzeugen gerechnet. Der Konzern müsse diskutieren, ob man die Pläne für den Ausbau der Produktionskapazitäten etwas anpassen müsse. Am Bau des Super-Airbus A380, der bis zu 800 Passagiere befördern können soll, werde aber festgehalten, versicherte die Airbus-Sprecherin.

Stimmung bei EADS ist insgesamt gedrückt

Bei den EADS-Mitarbeitern wächst dennoch die Sorge um Arbeitsplätze. "Die Stimmung ist insgesamt sehr gedrückt", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland, Helmuth Hohenstatter, der dpa in München. Die Situation bei Boeing und der EADS-Tochter Airbus sei aber nicht direkt vergleichbar, betonte er. Offensichtlich habe es bei Boeing auch schon vorher Probleme gegeben. Bei Airbus seien Entlassungen in dieser Größenordnung nicht zu befürchten.

Um den sinkenden Aktienkurs zu stützen plant auch EADS Aktienrückkäufe. Nach Medienberichten in Paris hat der Aufsichtsrat die Genehmigung für ein entsprechendes Programm erteilt. EADS werde bis zu 1,3 Prozent seiner umlaufenden Aktien zurück kaufen. Das Programm laufe bis zum 10. November 2002 laufen.

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