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EADS sieht bei Handelsstreit vor allem Probleme für Boeing

Die Eskalation im transatlantischen Streit um Flugzeugsubventionen stellt den technischen Hintergrund des Konkurrenzkampfes eher in den Schatten: Durch jüngste Verkaufserfolge von Airbus und Spekulationen um ein Konkurrenzmodell zur neuen Boeing 7E7 gerät der US-Konzern gehörig unter Zugzwang.

dpa-afx MÜNCHEN/HAMBURG. Die Eskalation im transatlantischen Streit um Flugzeugsubventionen stellt den technischen Hintergrund des Konkurrenzkampfes eher in den Schatten: Durch jüngste Verkaufserfolge von Airbus und Spekulationen um ein Konkurrenzmodell zur neuen Boeing 7E7 gerät der US-Konzern gehörig unter Zugzwang.

Daher gibt sich der EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Rainer Hertrich angesichts der Auseinandersetzung vor der Welthandelsorganisation WTO gelassen und kompromissbereit: "Boeing sitzt eher im Glashaus", sagte Hertrich vor kurzem. Er kritisierte damit Förderprogramme für das neue Boeing-Modell 7E7.

'Boeing Sitzt Eher IM Glashaus' - Hertrich

Mit der 7E7 will der US-Konzern im Markt für Flugzeuge mit 200 bis 300 Sitzplätzen dem derzeitigen Verkaufsschlager Airbus A330 Konkurrenz machen. Zugleich soll der neue Boeing-Zweistrahler bei den Fluggesellschaften die rund 25 Jahre alten Boeing 757, 767 sowie Airbus A300 und A310 ersetzen.

Boeing möchte in diesem lukrativen Marktsegment wieder an alte Erfolge anknüpfen: Die bisher rund 900 mal verkaufte 767 galt in den 80er und 90er Jahren als "Königin des Nordatlantiks". Sie schlug in der Anfangszeit des zweistrahligen Transatlantikverkehrs den Airbus A310 bei vielen Verkaufskampagnen aus dem Rennen, nur rund 250 Jets wurden bestellt. Doch das ist gut 20 Jahre her.

A330 Dominiert Bereich zwischen 200 und 350 Sitzen

Zwar bietet das US-Unternehmen heute mit der 777 ein sehr erfolgreiches Flugzeug im Marktsegment der 300- bis 400-Sitzer an. Auch im Bereich der Flugzeuge mit 100 bis 200 Plätzen hat Boeing mit seiner 737 "Next Generation" ein Erfolg versprechendes Produkt im Rennen. Den Bereich zwischen 200 und 350 Sitzen dominiert aber Airbus mit der A330. In der Diskussion ist außerdem unter dem Arbeitstitel A350 ein direktes Konkurrenzprodukt zur 7E7.

Hertrich sieht das europäische Airbus-Konsortium auch jenseits der Diskussion um künftige Subventionen auf Erfolgskurs. "Wir haben vor kurzem das 5 000. Flugzeug verkauft und ein gutes Auftragspolster." Die Finanzhilfen beim Weg zum Marktführer neben Boeing sind nach Angaben von Hertrich stets offen dargestellt worden. "Wir haben Darlehen bekommen, die werden zurückgezahlt und finden sich auch in der Bilanz wieder." Boeing profitiere stark von der indirekten Unterstützung durch die Weltraumbehörde Nasa und das Verteidigungsministerium.

Chancen FÜR EADS BEI Neuer US-Tankerflotte

Der europäische Konzern setzt Boeing nicht nur im zivilen Geschäft unter Druck. Beim Wettbewerb um eine neue Tankerflotte für die amerikanischen Streitkräfte sieht Hertrich noch Möglichkeiten für die EADS: "Ich denke, wir haben mehr als eine Chance, wir haben das bessere Flugzeug." Beleg dafür ist nach Angaben vor Hertrich der Erfolg des europäischen Tankflugzeuges bei Ausschreibungen in Australien und Großbritannien.

Das Projekt in den USA lasse sich aber nur in Kooperation mit einem lokalen Partner angehen. In diesem Zusammenhang ist dann zum Beispiel ein Montagewerk in den Vereinigten Staaten denkbar. Dass es sich bei diesem Konzept nicht um eine bahnbrechend neue Idee handelt, zeigt Eurocopter. Der Hubschrauberhersteller fertigt inzwischen zum Beispiel in den USA und Australien. "Wir müssen dort arbeiten, wo die Märkte sind", sagte Hertrich.

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