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ebay-Internetseite kurzzeitig gekapert

Fast vier Tage nach der ungewöhnlichen Störung der Webseiten des Auktionshauses ebay spekulieren Fachleute über die Ursachen des Zwischenfalls.

dpa BERLIN/HAMBURG. Fast vier Tage nach der ungewöhnlichen Störung der Webseiten des Auktionshauses ebay spekulieren Fachleute über die Ursachen des Zwischenfalls.

Am Wochenende war die Internetseite von ebay für mehrere Stunden ohne Wissen des Auktionshauses auf einen anderen Internet-Dienstleister umgeleitet worden. Für laufende Auktionen war die Seite für diese Zeit nicht mehr zu erreichen. Den größten Schaden werden voraussichtlich Versteigerer haben, deren Auktionen in diesem Zeitrahmen ausgelaufen waren, sagte Holger Bleich, Redakteur der Computerzeitschrift "c't", am Dienstag der dpa. "Da wird einigen vermutlich sehr viel Geld durch die Lappen gegangen sein."

Das Auktionshaus selbst hatte bereits am Wochenende versucht, die Wogen zu glätten. "Das ebay-System selbst war zu keiner Zeit beeinträchtigt und Nutzer-Daten waren nicht gefährdet", hieß es in einer Stellungnahme. Für weitere Anfragen war ebay seither nicht erreichbar.

Was in der Nacht zu Samstag genau geschah und wer die Verantwortung dafür trägt, will nun auch die Webadressenverwaltung Denic untersuchen. Einem bislang Unbekannten war es ohne Wissen von ebay anscheinend gelungen, bei dem Internet-Betreiber Intergenia die Webadresse ebay.de auf seine eigene Homepage umzuleiten. Danach hatten zahlreiche ebay-Kunden keinen Zutritt mehr zum Online- Auktionshaus und wurden stattdessen auf andere Seiten umgeleitet. Auf auslaufende Auktionen hatten sie keinen Einfluss mehr.

Der Inhaber der neuen Domain soll ein Mann aus Niedersachsen gewesen sein. Seine Familie beteuert aber seine Unschuld und will nach Angaben der "Berliner Zeitung" erst durch Journalisten von der Sache erfahren haben. Inzwischen ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen, nicht das Bundeskriminalamt, wie es zunächst in Presseberichten hieß. "Wir prüfen, ob Computersabotage vorliegt", sagte ein LKA-Sprecher am Dienstag in Hannover. Nähere Angaben machte er nicht.

Unklar ist bislang, was mit dieser Aktion bezweckt werden sollte. Die Denic werde in Zusammenarbeit mit den betroffenen Providern im Detail klären, wie es trotz doppelter Prüfung zu dieser Änderung kommen konnte, teilte die Verwaltungsgesellschaft am Dienstag mit. Bei einem gewünschten Wechsel des Providers werde grundsätzlich mit automatisierten Anfragen die Rechtmäßigkeit der Anmeldung geprüft. "Im konkreten Fall haben augenscheinlich beide Prüfmechanismen nicht funktioniert", räumte die Denic ein.

Das Computerfachmagazin "c't" hat mit eigenen Recherchen ermittelt, dass aller Voraussicht nach keine möglicherweise umgeleiteten Daten missbraucht worden sind. Der Ratschlag einiger Experten, alle ebay-Kunden sollten ihre Passwörter sicherheitshalber ändern, sei unsinnig, sagte Bleich. Gefahr bestehe nur für Internetnutzer, die in der fraglichen Zeit auf den Auktionsseiten waren. Hatten diese die Option "auf diesem Computer eingeloggt bleiben" deaktiviert, dann sind sie laut "c't" auf der sicheren Seite. Denn dann konnten keine missbrauchgefährdeten Daten über so genannte Cookies weiter geleitet werden. Nutzer, bei denen diese Option aber aktiviert war, sollten vorsichtshalber ihr Passwort ändern, riet "c't".

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