Ecclestone hat Option auf SLEC-Verkauf
Formel-Eins-Option könnte EM.TV belasten

Der Medienkonzern EM.TV könnte nach Angaben aus Branchenkreisen dazu gezwungen werden, weitere 25 Prozent an der Formel-Eins-Holding SLEC für knapp eine Milliarde Dollar zu übernehmen.

REUTERS MÜNCHEN. Der Münchener Medienkonzern EM.TV & Merchandising könnte nach Angaben aus Branchenkreisen dazu gezwungen werden, weitere 25 Prozent an der Formel-Eins-Holding SLEC für knapp eine Milliarde Dollar zu übernehmen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus den Kreisen erfuhr, hat Formel-Eins-Mogul Bernie Ecclestone, der 50 Prozent an SLEC besitzt, bis Ende Mai 2001 eine Option für den Verkauf eines 25-çprozentigen SLEC-Pakets an EM.TV. Spekulationen über finanzielle Probleme bei EM.TV hatten die am Neuen Markt notierte Aktie am Dienstag auf ein Jahrestief einbrechen lassen. Nach Angaben aus Branchenkreisen verhandelt nun die Kirch-Gruppe über eine Mehrheitsübernahme an EM.TV.

Die Verkaufs-Option ("Put-Option") von Ecclestone bestehe unabhängig von der zum 31. Dezember auslaufenden Option von EM.TV, zu ihren bisherigen 50 Prozent weitere 25 Prozent an der SLEC zu kaufen, hieß es in den Kreisen weiter. Ein EM.TV-Sprecher bestätigte auf Anfrage nur, dass es eine Kaufoption für EM.TV und eine Verkaufsoption für Ecclestone gibt. "Das kann EM.TV in finanzielle Schwierigkeiten bringen", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. In Branchenkreisen hieß es jedoch, auch andere Medienkonzerne seien an einem Einstieg bei der Formel Eins interessiert.

EM.TV hatte im Frühjahr 50 Prozent an der Holding für die Rennsportserie übernommen. Nach eigenen Angaben verhandelt der Konzern zusammen mit Ecclestone auch mit in der Formel Eins vertretenen Autoherstellern über einen Einstieg in die SLEC. Vorstandsmitglied Florian Haffa hatte Anfang Oktober die Hoffnung geäußert, dass man sich bis zum Jahresende einig werde.

Die Kirch-Gruppe ließ am Mittwoch weiter offen, ob sie an einer Übernahme des Filmrechtehändlers EM.TV interessiert ist. Ein Kirch-Sprecher lehnte abermals eine Stellungnahme zu Gerüchten ab, wonach die Gespräche zwischen Kirch und EM.TV kurz vor dem Abschluss stünden. Er dementierte allerdings einen Bericht des Magazins "Focus Money", wonach Kirch über den Verkauf seines 40-prozentigen Anteils am Verlagshaus Axel Springer zur Finanzierung einer solchen Transaktion nachdenke. Springer wies den Bericht ebenfalls zurück.

Nach dem Dementi von Kirch und Springer sehen Branchenkenner nun die Möglichkeit, dass Kirch EM.TV-Anteile gegen eine Beteiligung der Familie Haffa an der KirchMedia KGaA tauschen könne. Die Brüder Thomas und Florian Haffa halten zusammen knapp 50 Prozent an EM.TV, der Rest befindet sich in Streubesitz.

SLEC-Anteile für Kirch interessant

Analysten beurteilten einen möglichen Einstieg von Kirch bei EM.TV unterschiedlich. Einerseits könne sich Kirch so die Kontrolle über das Kinder- und Jugendprogramm Junior TV sichern. Junior TV ist ein Gemeinschaftsunternehmen von EM.TV und Kirch und gilt als die Ertragsperle des Filmrechtehändlers. DG-Bank- Analystin Nicole Davion sagte, interessant sei vor allem der Anteil von EM.TV an der SLEC. Hier könne Kirch die Rechte für seine PayTV-Sparte "Premiere" nutzen. Ecclestone hatte jedoch stets betont, die Rennen müssten im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein. Bis 2002 liegen die Fernsehrechte noch bei RTL.

Andere Experten sahen strategisch wenig Sinn in einer Übernahme durch Kirch. "Überzeugen würde mich der Einstieg nicht", sagte ein Analyst einer großen deutschen Bank. Er sehe auch kartellrechtliche Probleme im Filmrechte-Handel, weil Kirch bereits an dem Filmrechtehändler Constantin beteiligt ist und EM.TV 45 Prozent an dem Branchenkollegen TeleMünchen- Gruppe hält.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warf EM.TV Management-Fehler und eine schlechte Informationspolitik vor. "Die Expansionspolitik verlief völlig unkontrolliert", sagte SdK-Vorsitzende Klaus Schneider. Am Neuen Markt büßten die EM.TV-Aktien bis zum Nachmittag in einem allerdings sehr schwachem Marktumfeld weitere knapp fünf Prozent auf 20 Euro ein. Am Dienstag waren die Titel auf ein Jahrestief von 17,58 Euro gefallen. Die Aktien waren bereits im Oktober eingebrochen, als das Unternehmen die Halbjahreszahlen wegen unsauber verbuchter Umsätze nach unten revidieren musste.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%