Echte Innovation oder alter Wein in neuen Schläuchen?
Dachzertifikate: Auf die Art des Management kommt es an

Wie Dachfonds investieren Dachzertifikate in Papiere der eigenen Gattung. Während passiv gemanagte Zertifikate einen Mehrwert bieten können, bestehen bei den aktiv gemanagten Papieren Zweifel.

Die Bezeichnung "Dachzertifikat" findet in jüngster Zeit mehr und mehr Verwendung. Analog einem Dachfonds, der Fonds kauft, versteht man darunter ein Zertifikat, das in andere Zertifikate investiert. Entscheidend ist natürlich die Form der Produktauswahl innerhalb des Dachzertifikats. Grundsätzlich wird dabei zwischen aktivem und passivem Management unterschieden.

Während das passive Management rein quantitativen Auswahlkriterien, wie zum Beispiel technischen Indikatoren oder der Dividendenrendite folgt, kommt bei einem aktiven Management der Faktor Mensch zum Tragen. Auf Basis vorab definierter Investmentrichtlinien werden Entscheidungen zur Zertifikatszusammenstellung getroffen, überwacht und gegebenenfalls angepasst. Ausschlaggebend für den Erfolg des Wertpapiers ist somit die Qualität des Zertifikatemanagements.

Wie unterscheiden sie sich nun aber, neben dem juristischen Unterschied zwischen Fonds (Sondervermögen) und Zertifikaten (Inhaberschuldverschreibung), von den klassischen Dachfonds? Ein klassischer, aktiv gemanagter Aktienfonds kann in der Regel nur auf steigende Kurse setzen oder aber alternativ sein Geld kurzfristig "parken". Ein aktiv gemanagtes Zertifikat hingegen investiert in Zertifikate, die auch in steigenden, seitwärts laufenden und fallenden Aktienmärkten positive Wertentwicklungen erzielen können. Da sich aber bereits einige aktiv gemanagte Zertifikate- bzw. Derivatefonds mit genau diesem Anlageziel auf dem Markt befinden, darf vor dem Hintergrund aktiven Managements an einer echten Innovation gezweifelt werden. Denn auch ein Blick auf die Gebühren zeigt, wie sehr sich Zertifikate und Fonds mittlerweile angenähert haben. Keine Frage, wo der Mensch involviert ist und laufend entscheidet, entstehen höhere Kosten.

Die wahren Innovationen zeigen sich daher eher bei den passiv gemanagten Zertifikaten. Anleger könnten mit ihnen zum Beispiel erstmals an den Eigenhandelsmodellen von Banken partizipieren oder mit nur einem Papier laufend in verschiedene Bonus- bzw. Discountzertifikate investieren. Auch kann vom Anstieg von Aktien- und Rentenmärkten zugleich profitiert werden. Hier beweisen die Emittenten dann doch wieder ihre hohe Innovationskraft.

Fazit: Aspekte wie Transparenz und geringe Kosten, denen die Zertifikateindustrie letztlich ihren Durchbruch zu verdanken hat, treffen zumindest für aktiv gemanagte Zertifikate nur bedingt zu. Die Emittenten sollten mit dem in den letzten Jahren gewonnenen Anlagervertrauen nicht zu sorglos umgehen, denn einzelne Misserfolge könnten sich negativ auf die Reputation der gesamten aufstrebenden Zertifikatebranche auswirken.

Der Autor ist Zertifikate-Experte bei der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%