Eckard Cordes - Praxistest für den Theoretiker

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Eckard Cordes - Praxistest für den Theoretiker

Ein brillanter Stratege ist der Chef des Nutzfahrzeugbereichs von Daimler-Chrysler bereits. Nun kann Cordes Saniererqualitäten beweisen - und sich für die Schrempp-Nachfolge empfehlen.

Auch wenn er im Sommer seinen Lkw-Führerschein macht - Eckard Cordes ist kein typischer Trucker. Das Klischee des beleibten, eher schlecht gekleidetne Brummi-Fahrers bedient er nicht. Doch den schlanken, auf dezenten Chic bedachten Manager stört das nicht. Er weiß sich in guter Gesellschaft. "Die europäischen Nutzfahrzeughersteller werden derzeit alle von kleinen, schmächtigen Männern geführt", erzählt er amüsiert.

Seit einem Jahr steht Cordes, 51, an der Spitze der Nutzfahrzeugsparte von Daimler-Chrysler. Damals löste er Dieter Zetsche ab, den Konzernchef Jürgen Schrempp zum Feuerwehreinsatz bei Chrysler abkommandiert hatte. Für Cordes, der sich dahin vor allem als Stratege ausgezeichnet hatte - er fädelte die Fusion mit Chrysler und den Einsteig bei Mitsubishi Motors in Japan ein - keine leichte Aufgabe.

Ausgerechnet der Mann, dem Kollegen einen scharfen analytischen Verstand, aber zu wenig Praxisbezug bescheinigen, soll die angeschlagene US-Tochter Freightliner sanieren und für eine engere Zusammenarbeit der vielen Lkw-Töchter im Konzern sorgen.

Doch Cordes weiß: Hat er Erfolg, darf er sich ebenso wie Chrysler-Chef Dieter Zetsche Hoffnungen machen, in einigen Jahren die Nachfolge von Jürgen Schrempp, 57, anzutreten.

Beim Rennen um das Spitzenamt hat Cordes gegenüber seinem drei Jahre jüngeren Konkurrenten Zetsche aber das Handicap, dass er schon der dritte Chef der Nutzfahrzeugsparte innerhalb von drei Jahren ist. Das hat vor allem auf der zweiten Führungsebene für erhebliche Unruhe gesorgt.

Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Theoretiker scheint sich aber gelegt zu haben. Mitarbeiter loben Cordes? Basisnähe, seinen Arbeitseifer und seine Detailkenntnisse. Auch er selbst findet: "Ich habe einen klasse Job."

Cordes selbst sieht keinen so großen Unterschied zu seiner vorherigen Tätigkeit als Strategievorstand. Auch als Chef einer operativen Sparte gehe es im Kern "um das Führen von Menschen". Seine Strategie-Konzepte habe er außerdem nicht am Schreibtisch entworfen, betont er. Man müsse schon mit sehr vielen Leuten reden, um die Märkte zu erfassen, sagt er, als wolle er alte Vorurteile über ihn ausrotten. "Das ist verdammt praktisch und operativ."

Aus Gesprächen mit Vertriebsleuten vor Ort hat er ein Gefühl dafür bekommen, wie wichtig Qualität ist. Lieber die Serienfertigung noch einmal verschieben, als fehlerhafte Produkte auf den Markt bringen, heißt die Erkenntnis. Bei den Mercedes-Schwerlastern haben Qualitätsmängel Marktanteile gekostet.

Mitarbeiter und Managerkollegen schätzen zwar sehr seine ruhige Art. Doch bei seinen Auftritten besitzt er weder Schrempps Ausstrahlung noch Zetsches Lockerheit. Spätestens seit Chrysler haftet Zetsche zudem das Image des Machers an und hat damit einen großen Vorsprung.

Doch Cordes gibt sich in puncto Karrierepläne erstaunlich locker: "Mir ist meine innere Unabhängigkeit wichtig." Er legt sehr viel Wet auf seine Familie. Der Vater dreier Kinder hat ein zweites Mal geheiratet. Wie Schrempp, mit dem er befreundet ist, hat auch er kleines Kind.

"Für Hobbys bleibt mir fast keine Zeit", sagt er. Allerdings hat er die Laufschuhe immer im Gepäck. Drei Stunden pro Woche joggt er. Der berufliche Vielflieger verbringt den Urlaub am nahen Bodensee. Auf den langen Flügen liest er auch gelegentlich - derzeit das Buch: "Kinder fragen Nobelpreisträger."

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