Eckart Kottkamp neuer Chef der Hako-Werke
Ein Familienfremder räumt auf

Sein Start war nicht einfach. Kottkamp löste einen der bekanntesten Firmenbosse ab: den Ex-BDI-Chef Tyll Necker. Doch der Wechsel hat den Hako-Werken gut getan.

HB BAD OLDESLOE. Wenn Eckart Kottkamp über Vertriebskonzepte oder neue Produktstrategien sinniert, dann tut er dies meist an seinem Stehpult. Häufig schweift dann der Blick des 63-jährigen Chefs der Bad Oldesloer Hako-Werke aus seinem Bürofenster auf eine große Rasenfläche, auf der sich jede Menge Kaninchen tummeln. "Im Stehen kann ich mich besser konzentrieren", sagt der gebürtige Westfale mit dem leicht gebräunten Gesicht und dem ergrauten Haar.

Das Stehpult und ein Schreibtisch aus Aluminium sind die einzigen Neuerungen in dem mit acht Quadratmetern eher kleinen Büro. Alles andere hat der Alleingeschäftsführer des schleswig-holsteinischen Familienbetriebs für Reinigungsmaschinen von seinem Vorgänger übernommen: eine dunkle, hölzerne Wandvertäfelung, einen grünlich schimmernden Teppich sowie Bilder eines unbekannten norddeutschen Malers, der offensichtlich italienische Städte mochte.

Nicht nur Büroeinrichtung geerbt

Nicht nur Teile der Büroeinrichtung hat Kottkamp von seinem Vorgänger geerbt. Als er im Juni 2001 vom Chefposten des Hamburger Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich an die Spitze des Familienunternehmens wechselte, löste er eine der bekanntesten Unternehmer-Persönlichkeiten in Deutschland ab: den legendären Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Tyll Necker.

Schnell merkte Kottkamp, welche tiefen Spuren der Grandseigneur der deutschen Wirtschaft in seinen 45 Jahren als Firmenchef hinterlassen hatte. Vor allem in den letzten Jahren vor Neckers Tod Ende März 2001 bekamen die mehr als 2 000 Mitarbeiter die zunehmende Engstirnigkeit des eigensinnigen Firmen-Patriarchen immer deutlicher zu spüren. Er gab kaum noch etwas aus der Hand: Necker, zugleich Gesellschafter, wollte selbst bei kleineren Investitionsentscheidungen noch das letzte Wort haben.

Das ist heute anders: Kottkamp führt das Unternehmen offener und delegiert mehr Arbeit. Er bindet die Mitarbeiter direkt in die Entscheidungsprozesse ein: "Eigenverantwortung wird bei mir großgeschrieben", betont der Chef. Hinter seinem Kurs stehen auch die Inhaber der 1952 gegründeten Hako-Werke, die nach dem Gründer Hans Koch (Hako) benannt wurden. Zu den Gesellschaftern gehören die Enkel der Gründerfamilien Necker, Roithmaier und Koch.

Den besonnenen, offenen Führungsstil des gelernten Ingenieurs für Mess- und Regeltechnik prägten vor allem seine Stationen bei Bosch, Jungheinrich und Claas, Europas führendem Hersteller von Erntemaschinen. "Mich haben immer Betriebe interessiert, die Massenfertigung betreiben", erklärt Kottkamp die Wahl seiner früheren Arbeitgeber.

Neue Handschrift

Die neue Handschrift des Firmenbosses kommt der Hako-Gruppe mit einem Jahresumsatz von mehr als 300 Millionen Euro offenbar zugute. Obwohl im vergangenen Jahr der europäische Markt für Reinigungsmaschinen einbrach, legte der Maschinenbauer kräftig zu. "Sogar in den ersten vier Monaten dieses Jahres ist unser Umsatz erneut um elf bis zwölf Prozent gestiegen", freut sich Kottkamp. Das liegt auch an seinem neuen Vertriebskonzept. "Wir setzen immer mehr auf Abnehmer aus der Großindustrie", erklärt der Geschäftsführer seine Strategie. Für seinen Vorgänger Necker gehörten hingegen vor allem mittelständische Firmen zur Hauptzielgruppe.

Der harte Arbeitseinsatz Kottkamps hat seinen Preis: Täglich von 8 bis 19 Uhr sitzt der Vater von zwei Töchtern und vier Enkelkindern im Büro. Auch an den Wochenenden nimmt er zum Leidwesen seiner Frau dicke Stapel von Unterlagen mit nach Hause und bereitet Präsentationen vor. Einen Ausgleich verschafft er sich durch sein tägliches Fitnessprogramm: Gymnastik am frühen Morgen.

Rückendeckung von Familie und Belegschaft

Nicht nur bei seiner Familie erhält er - trotz der hohen Belastung - Rückendeckung, sondern auch bei der Belegschaft. "Er ist ein strukturiert denkender Mensch und pflegt einen sehr guten Umgang mit den Mitarbeitern", betont Dirk Kohrs, Betriebsratschef der Hako-Werke. Ein Indikator dafür: Im Unternehmen herrscht kaum Fluktuation, obwohl die Mitarbeiter mit 37,5 Stunden in der Woche mehr arbeiten, als der Tarifvertrag vorsieht. Entlassungen hat es bisher nicht gegeben.

Die anscheinend gute Arbeitsatmosphäre in Bad Oldesloe hat möglicherweise noch eine andere Ursache: Unter der mehr als 10 000 Quadratmeter großen Produktionshalle befinden sich ein Schwimmbad und eine Sauna. Da können sich die Mitarbeiter in den Pausen oder nach Dienstschluss entspannen.

Diesen außergewöhnlichen Service hat aber der Unternehmenschef noch nie genutzt. Eckart Kottkamp verbringt seine Zeit lieber am kühl gestylten Aluminium-Stehpult in seinem Büro. "Da kann ich auch relaxen und mich an der grünen Landschaft erfreuen."

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