Eckes auf Saft konzentriert
Berentzen greift nach Eckes’ Alkoholsparte

Im Bieterstreit um die Alkoholsparte von Eckes steht der deutsche Spirituosenhersteller Berentzen kurz vor dem Ziel. Nach Informationen aus Bankenkreisen hat Eckes die börsennotierte Berentzen-Gruppe zum exklusiven Verhandlungspartner ausgewählt. Mit einem Ergebnis wird in den nächsten zwei Wochen gerechnet. Bankenkreise beziffern das Volumen der Transaktion auf weniger als 200 Mill. Euro. Berentzen will den Kaufpreis bar bezahlen. Die Finanzierung durch mehrere Banken stehe bereits.

hz/mm/rob FRANKFURT/M. Mit der Übernahme der Alkoholsparte würde die deutlich kleinere Berentzen-Gruppe größter Spirituosenhersteller Deutschlands. Das niedersächsische Unternehmen hat 2002 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 4,2 Mill. Euro und einen Umsatz inklusive Branntweinsteuer von 425,8 Mill. Euro erwirtschaftet. Das Alkoholgeschäft von Eckes, zu der unter anderem die Marken Mariacron, Chantré und Nordhäuser zählen, hat dagegen zuletzt einen Umsatz von 678,1 Mill. Euro und ein Ebit von 25 Mill. Euro erzielt.

Für Berentzen rechnet sich eine Übernahme durch die erwarteten Kosteneinsparungen. Finanzkreise beziffern die Synergien auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Gespart werden soll vor allem in Produktion, Verwaltung und Vertrieb. Ein Arbeitsplatzabbau gilt als sicher.

Eckes will sich in Zukunft ganz auf die Fruchtsaftsparte mit den führenden Marken Hohes C sowie Granini konzentrieren und hatte deshalb im Oktober überraschend den Verkauf des Spirituosenbereichs angekündigt. Berentzen hat mit seiner Offerte Konkurrenten wie den italienischen Campari-Konzern und die deutsche Sektkellerei Henkell & Söhnlein ausgestochen.

In Europa käme Berentzen mit dem Neuerwerb auf Rang drei nach den internationalen Getränkekonzernen Diageo und Pernot Ricard. Als Perlen von Eckes gelten die starke Position im attraktiven tschechischen Markt sowie die Vertriebspartnerschaft mit dem spanischen Sekthersteller Freixenet. Die Spanier haben sich Brancheninformationen zufolge zwar ausbedungen, dass bei einem Verkauf der Eckes-Alkoholsparte der Lizenzvertrag neu ausgehandelt werden muss. Berentzen ist dem Vernehmen nach aber zuversichtlich, dass die Kooperation verlängert wird.

Eckes beendet mit dem Verkauf eine fast 150 Jahre alte Tradition. Seit 1857 verdient das Familienunternehmen mit hochprozentigen Getränken Geld. Mit Fruchtsäften ist Eckes bereits Marktführer in Europa. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf will die Gruppe weitere Safthersteller im europäischen Ausland kaufen.

Eckes-Mitarbeiter hatten in den vergangenen Monaten mehrfach gegen den geplanten Verkauf protestiert. Betriebsratschef Uwe Michalski befürchtet, dass bei einem Verkauf in der Firmenzentrale in Nieder-Olm bei Mainz 200 der 480 Stellen auf dem Spiel stehen. Insgesamt beschäftigte Eckes bislang rund 2 500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2001 einen Jahresumsatz von rund 1,25 Mrd. Euro.

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