Eckhard Spoerr, 36, ist Vorstandschef des Internet- und Telefonanbieters Freenet in Hamburg
Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Spoerr...

... wenn man nicht nur die New Economy überlebt hat, sondern auch schwarze Zahlen schreibt?*

Ich bin stolz, weil ich als Underdog mit weniger finanziellen Mitteln an allen großen Playern, die mehr Mittel hatten, vorbeigezogen bin. Und ich bin erleichtert, weil Freenet heute nicht mehr so leicht zu erschüttern ist: Unsere Marktposition ist stark und wir sind hoch profitabel. Es war in den ersten zwei Jahren gar nicht sicher, ob wir es auf die Gewinnerseite schaffen. Aber als Kind von Steuerberatern habe ich von klein auf gelernt, die Mark zweimal umzudrehen.

Wo ich aufwuchs, in der badischen Kleinstadt Mühlacker, da habe ich stets erlebt, wie sich kleine Unternehmen mühsam selbst finanzieren mussten. Anders als New-Economy-Firmen mit ihren substanzlosen Businessplänen, die angeblich Millionen Mark wert waren. Mit 15 Mann starteten wir in kargen Räumen mit gebrauchten PCs und ohne einen Kicker. Stattdessen hatten wir 70-Stunden-Wochen. Die erste Party gab es erst nach dem Börsengang, also nach fünf Monaten. Uns beflügelte, dass es jede Woche aufwärts ging, mit besserer Technik oder mehr Kunden. Wahnsinnsgehälter gab es nie. Die Kollegen ließen sich auch nicht abwerben, selbst bei unsittlichen Angeboten - der Teamgeist war stärker. Und ich selbst versuche heute noch, keine Hotelrechnungen zu verursachen und bei Verwandten und Freunden zu übernachten.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

*Freenet ging Ende 1999 als Internet-Service-Provider an die Börse, übernahm im vergangenen Jahr das Festnetz von Mobilcom und hat heute rund 1 000 Mitarbeiter bei 365 Millionen Euro Umsatz in 2003.

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