Eckrodt wird Präsident von Mitsubishi
Daimler greift bei Mitsubishi durch

Daimler-Chrysler bereitet die Übernahme des viertgrößten japanischen Autobauers Mitsubishi Motors (MMC) vor. Ein erster Schritt ist die Besetzung des Chefsessels in Tokio, auf dem Rolf Eckrodt in wenigen Wochen Platz nimmt.

brb/ga STUTTGART/TOKIO. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp flog eigens nach Tokio, um die Entscheidung perfekt zu machen.

Offiziell stellen der Stuttgarter Konzern und MMC diese Veränderung im Spitzenmanagement als Initiative des noch amtierenden Chefs Takashi Sonobes dar. In Tokio wird sie aber als Indiz für die Ungeduld des deutschen Autokonzerns über den Sanierungsfortschritt bei MMC gewertet.

Bei Daimler-Chrysler ist zu hören, dass der Stuttgarter Konzern auf den Führungswechsel gedrängt hat, um schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können. Schließlich spielt die engere Verzahnung der US-Sparte Chrysler mit der japanischen Mitsubishi eine entscheidende Rolle in Schrempps Konzept von einem Weltkonzern.

Weitere Zusammenarbeit ist geplant

Daimler-Chrysler drückt bei der Sanierung von MMC ohnehin aufs Tempo. Der Konzern hat schon seit längerem mehr als 40 Manager dauerhaft nach Tokio entsandt. In den vergangenen zwei Wochen reisten weitere Spitzenmanager nach Japan. Sie sollen auch bei den Nutzfahrzeugen die Werke umfassend unter die Lupe nehmen. Zudem prüfen sie eine Zusammenarbeit in der Entwicklung, im Einkauf und bei Finanzdienstleistungen. Insider vermuten, dass sie schon die Übernahme von MMC vorbereiten.

Daimler-Chrysler-Sprecher Hartmut Schick betont zwar, dass der Konzern nicht unter Zeitdruck stehe. Aber wenn MMC in guter Verfasung sei, dann werde Daimler die Mehrheit übernehmen. Daimler-Chrysler war 2000 bei Mitsubishi eingestiegen und ist mittlerweile mit 37 % an MMC beteiligt. Ab Oktober 2003 können die Deutschen den Anteil unbegrenzt aufstocken.

Analysten sehen einer Übernahme von MMC durch Daimler-Chrysler gelassen entgegen - vorausgesetzt, die Sanierung verläuft erfolgreich. "Wenn MMC in zwei, drei Jahren auf richtig gesunden Füßen steht, spricht nichts gegen eine Übernahme", sagt Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank.

Stefan Augustin vom Bankhaus Delbrück weist darauf hin, dass MMC für die Stuttgarter kein dicker Brocken sei. Die Marktkapitalisierung MMCs liegt bei etwa 4,5 Mrd. Euro. Ein Hindernis für eine Übernahme ist allerdings der Schuldenberg von MMC, der sich auf stattliche 13 Mrd. Euro beläuft. Die Verdindlichkeiten sollen durch den Verkauf von Vermögensteilen und durch künftige Gewinne abgebaut werden. Bislang verbucht Daimler deswegen MMC als Minderheitsbeteiligung in der Bilanz, so dass die Schulden dort nicht auftauchen.

Mit Eckrodt an der Spitze von MMC hat Daimler-Chrysler nun alle Fäden bei dem Japaner in der Hand. Der künftige Präsident und Chief Executive Officer (CEO) ist dort seit Januar 2001 als Sanierer tätig - bislang als Chief Operating Officer. Künftig kann er Personalentscheidungen treffen und auch über Werksschließungen selbst verhandeln. Er übernimmt auch die Verantwortung für das Nutzfahrzeuggeschäft. Der amtierende Chef Sonobe wechselt als Chairman in den Aufsichtsrat.

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