EdF gelingt der Einstieg in den italienischen Strommarkt
Montedison wird zerschlagen

Das friedliche Ende der Übernahmeschlacht um den italienischen Mischkonzern Montedison SpA haben Marktteilnehmer mit Erleichterung aufgenommen. Jetzt bestünden klare Eigentumsverhältnisse, sagten die Analysten mehrerer Mailänder Brokerhäuser.

MAILAND. Die Gefahr der Lähmung des Mailänder Unternehmens durch lange gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Angreifern und Verteidigern sei gebannt. Die Montedison-Aktie legte im Tagesverlauf um 1,3 % zu.

In der Nacht zum Montag hatte der Vorstand des Konzerns das zuvor als feindlich eingestufte Übernahme-Angebot von Italenergia SpA überraschend akzeptiert. Italenergia ist ein Gemeinschaftsunternehmen des größten italienischen Industriekonzerns Fiat und der staatseigenen Electricité de France (EdF). Außerdem beteiligt sind der französisch-polnische Großinvestor Romain Zaleski und diverse italienische Banken. Vor allem der Einstieg der EdF bei Montedison war in Italien seit Monaten umstritten. Die Regierung hatte eigens ein Dekret erlassen, mit dem ein zu großer Einfluss der Franzosen verhindert werden sollte.

Nun ist wahrscheinlich, dass Montedison rascher als vorgesehen zerschlagen wird. Der Konzern soll sich künftig ganz auf das Geschäft mit Strom und Gas konzentrieren und sich von 85 Prozent seines bisherigen Umsatzvolumens trennen. Bereits heute ist die Energietochter Edison mit einem Marktanteil von 10 % zweitgrößter Stromversorger Italiens, gleich hinter dem Ex-Monopolisten Enel SpA, Rom. Montedison will den Marktanteil bis 2004 auf 20 % verdoppeln. Dafür will der Konzern nun aber nicht mehr eine der drei Stromerzeugungsgesellschaften kaufen, die Enel im Rahmen der Marktliberalisierung abgeben muss. Statt dessen sollen neue Kraftwerke gebaut werden. Die Grundstücke steuert Fiat bei. Dementsprechend hat sich Edison gestern aus der Auktion um den ersten der Stromerzeuger (Elettrogen) zurückgezogen und dem spanischen Versorger Endesa das Feld überlassen.

Montedison ist hoch verschuldet

Die geplante Zerschlagung von Montedison hat neben strategischen auch finanzielle Gründe. Der Konzern ist mit 6,8 Mrd. Euro hoch verschuldet. Hinzu kommt der Preis, den Italenergia aufwenden muss. Aus unternehmensnahen Quellen war gestern zu erfahren, dass die Verhandlungen mit dem belgischen Konzern Solvay über den Verkauf der Chemietochter Ausimont weit fortgeschritten sind. Außerdem spreche man intensiv mit dem Konsortium französischer Zuckerrübenerzeuger, die mit Hilfe der Großbank Crédit Agricole die Zuckersparte Beghin-Say übernehmen wollen. Mit 13% Marktanteil in Europa ist Beghin-Say hinter der Südzucker AG (15 % Anteil) das zweitgrößte Unternehmen der Branche. Eine amerikanische Investmentbank hat den Wert aller Nicht-Stromaktivitäten von Montedison auf 6,7 Mrd. Euro taxiert.

Auf Seiten der Wirtschaft hatte eine Gruppe um die Mailänder Investmentbank Mediobanca in den vergangenen Wochen versucht, die Übernahme von Montedison zu verhindern. Doch die Verteidiger, die etwa 30% des Montedison-Kapitals besitzen, haben jetzt ihren Widerstand aufgegeben. Sie kündigten an, die öffentliche Offerte anzunehmen und alle rechtlichen Schritte gegen Italenergia fallen zu lassen.

Das Joint Venture Italenergia, das bereits 52 % von Montedison besitzt, hatte zuvor sein Angebot für die ausstehenden Aktien zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage auf 3,16 Euro pro Papier erhöht. Der Preis liegt 31,1 % über dem Durchschnittskurs der letzten 12 Monate und wird von Beobachtern als angemessen bezeichnet. Der Deal kostet Italenergia rund 6 Mrd. Euro in bar.

Für EdF bedeutet der Deal den Einstieg in den lukrativen italienischen Strommarkt. Zwar beliefert der französische Staatsmonopolist bereits 15-20 % des nationalen Strombedarfs über langlaufende Lieferverträge mit Enel und Edison, direkt an einem Versorger war Europas Nummer eins aber bislang nicht beteiligt. Der Einstieg von EdF bei Montedison hat auch in Brüssel hohe Wellen geschlagen. Man argumentiert, dass ein zu Hause vor unerwünschter Konkurrenz geschütztes Unternehmen seine Monopolgewinne nicht für die Expansion in Länder nutzen dürfe, deren Energiemärkte bereits geöffnet seien.

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