EDF hält inzwischen 34 Prozent am deutschen Energieversorger
EnBW will Einstieg in Spanien mit Krediten finanzieren

Für den Vorstandsvorsitzenden der Energie Baden- Württemberg (EnBW), Gerhard Goll, ist die Übernahme der Mehrheit beim viertgrößten spanischen Stromversorger Hidrocantábrico nicht das vorrangige Ziel. Dies machte der EnBW-Chef auf der Bilanzpressekonferenz deutlich. Wie viele Aktien dem Konsortium von EnBW und Ferroatlantica zum Preis von 27,30 Euro tatsächlich angeboten würden, sei offen.

HB KARLSRUHE. Klar sei aber, dass die Bietergruppe um Electricidade de Portugal (EdP) ihre Anteile halten wolle. Dies seien zwischen 35 und 40 %. Medienberichten zufolge soll der belgische Versorger Electrabel seinen Anteil an Hidrocantábrico bereits an Ferroatlantica verkauft haben. Der deutsche Branchenprimus RWE AG hatte sein Angebot von 26 Euro je Aktie zurückgezogen, nachdem EnBW und Ferroatlatica ihr ursprüngliches Angebot noch einmal aufgestockt hatten.

Als Käufer der bis zu 60 % an Hidrocantábrico tritt Ferroatlantica auf. Die EnBW wird das Geschäft über Darlehen finanzieren und sich später an ihrem Partner beteiligen. Goll erklärte, die Belastung bleibe deutlich unter 2 Mrd. Euro. Der spanische Stromerzeuger sei insgesamt gut 3 Mrd. Euro wert.

Mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Hidrocantábrico sei man sich darüber einig, dass sich nach Abschluss des Erwerbs die verbleibenden Aktionäre auf eine gemeinsame Unternehmensstrategie verständigen sollten. Von der künftigen Entwicklung von Hidrocantábrico hängt nach Einschätzung des EnBW-Chefs ab, ob der Preis, der dem 25-fachen des Gewinns entspricht, gerechtfertigt ist.

Die EnBW will demnächst eine bedingte Wandelanleihe von einer halben Mrd. Euro auflegen, kündigte Goll an. Damit solle der Kapitalmarkt auch auf den für 2002 geplanten zweiten Börsengang der EnBW, mit dem er bis zu 25 % der Aktien platzieren will, aufmerksam gemacht werden. Er sprach von einem "Appetithäppchen" für die Anleger. Zudem könne damit der im nächsten Jahr anstehende Mehrheitserwerb der Neckarwerke Stuttgart AG finanziert werden.

Bei den kommunalen Anteilseignern, die bei der EnBW aussteigen wollen, hat sich in den letzten Monaten zunächst der französische Stromkonzern Electricite de France (EdF) bedient. Die EdF hat zusammen mit den 25-Prozent-Paket, das sie im Februar vom Land Baden- Württemberg übernommen hat, mittlerweile 34,5 % der EnBW-Aktien. Außerdem haben EnBW und EdF einen Vertrag über die geplante Expansion in Zentraleuropa vereinbart. Der Vertrag sei unterschriftsreif und müsse von den Gremien noch abgesegnet werden.

Mit dem Anteil von 34,5  % ist die EdF bei EnBW gleich stark wie der bislang größte Anteilseigner, der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke. Beide haben sich über die industrielle Führung verständigt.

Bis zum Herbst rechnet die EnBW im deutschen Markt mit Strompreiserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich für alle Kundengruppen. Zur Begründung verwies Vorstandsmitglied Pierre Lederer auf die Belastungen durch Subventionen wie die Kraft-Wärme- Kopplung und Hemmnisse bei den Durchleitungsentgelten.

Auch die Entwicklung der Endkunden-Tochter Yello werde durch Behinderungen der Durchleitung gebremst, klagte Goll. Mittlerweile habe Yello 600 000 Kunden, deren Akquisition im Schnitt jeweils 1 000 DM koste. An der Zielgröße 1,3 Mio. Kunden bis Ende 2003 hält das Management fest. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch schwarze Zahlen geschrieben werden.

Das Ergebnis der EnBW werde durch aus Golls Sicht nicht gerechtfertigte Leitungsgebühren um eine halbe Mrd. DM belastet. Wenn sich der Trend unverändert fortsetze, sei spätestens 2005 wieder das Preisniveau von 1997 erreicht, warnte er.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ist im Konzern im Geschäftsjahr 2000 deutlich um 43,7 % auf 488 Mill. DM gesunken, obwohl der Umsatz von 7,8 auf 11,4 Mrd. DM gestiegen ist. In der Energiesparte ist das Betriebsergebnis sogar mit 207 Mill. DM auf weniger als ein Viertel des Vorjahresergebnisses eingebrochen.

Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg um 80 Mill. DM auf 351,2 Mill. DM, weil die EnBW wesentlich weniger Steuern zahlte als im Vorjahr. Die Dividende liegt unverändert bei 90 Pfennig je Aktie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%