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Edus teurer Fehltritt schockt Bochum

Auch am Morgen nach dem rund vier Mill. Euro schweren Fehltritt des bedauernswerten Eduardo „Edu“ Goncalves stand der VfL Bochum unter Schock.

dpa BOCHUM. Auch am Morgen nach dem rund vier Mill. Euro schweren Fehltritt des bedauernswerten Eduardo "Edu" Goncalves stand der VfL Bochum unter Schock.

Blass, ausgepowert und mit rot unterlaufenen Augen schleppten sich die Profis des Fußball- Bundesligisten zum Training und konnten das Geschehene noch immer nicht begreifen. Peter Neururer hielt eine fünfminütige Ansprache, und immerhin schienen sich die Gemüter danach ein wenig aufzuhellen. "Dieses Spiel wirkt nach, ganz klar", gestand der VfL-Trainer, der die Untergangsstimmung am Vorabend auf den Punkt gebracht hatte: "Wir haben auf die traurigste Art das Ausscheiden erleiden müssen. Das tut erbärmlich weh."

Sekunden waren noch zu spielen. Die VfL-Fans unter den 23 356 Zuschauern im ausverkauften Ruhrstadion waren nach einem temporeichen Spiel in blau-weißer Partystimmung. Spieler und Trainer des Revierclubs, der exakt sieben Jahre auf dieses Europacup-Heimspiel gewartet hatte, wähnten sich nach der Nullnummer im Hinspiel und dem 1:0 durch Marcel Maltritz (45.+2) gegen Standard Lüttich schon in der Uefa-Pokal-Gruppenphase. Dann wurde der Albtraum bittere Realität. In der 92. Minute säbelte der 22-Jährige Edu im Strafraum am Ball vorbei, und der dahinter lauernde Uruguayer Jorge Wiston Curbelo traf für den achtmaligen belgischen Meister und Bochum mitten ins Herz.

Totenstille im weiten Rund; Entsetzen, Trauer und Frust auf dem Rasen. Die Spieler sackten in sich zusammen, der Trainer erstarrte bei seinem europäischen Heimdebüt, sein Blick ging minutenlang ins Leere. "Wir waren zwei Mal die bessere Elf. Dass wir gegen einen starken Gegner ungeschlagen so ausscheiden, ist kaum zu fassen. Irgendwas müssen wir verbrochen haben", wähnte Neururer "höhere Mächte" im Spiel und erinnerte - ohne Ausflüchte suchen zu wollen - an zwei Fehlentscheidungen des griechischen Schiedsrichtergespanns: Das hatte dem VfL einen Elfmeter verweigert, obwohl Eric Deflandre (69.) seinen Kapitänskollegen Dariusz Wosz gefoult hatte. Zudem hätte Deflandre nach einem Ellenbodencheck gegen Edu später vom Platz gemusst. "Dann wäre es sicher anders gelaufen", vermutete Neururer.

So aber herrschte laut Torwart Rein van Duijnhoven "Todesstimmung in der Kabine". Dem am Boden zerstörten Edu aber mochte niemand einen Vorwurf machen. Obwohl es leicht gewesen wäre, den talentierten, aber psychisch instabilen Brasilianer zum Sündenbock zu stempeln. Denn solch ein Fehler - nicht Edus erster mit Folgen - darf selbst einem C-Jugendlichen nicht unterlaufen. So wurde Neururers Befürchtung Wahrheit: "Das schlimmste wäre, wenn wir 1:0 führen und in der letzten Minute den Ausgleich kassieren", hatte der 49-Jährige gesagt.

Wosz mühte sich, den untröstlichen Edu aufzubauen: "Wir standen alle auf dem Platz und hätten vorher das 2:0 machen können." Die beste Medizin sei jetzt ein Sieg beim FC Schalke 04, meinte der Kapitän, der aber wegen einer Becken- und Fußprellung vermutlich ausfällt. Die Elf wieder in gute körperliche Verfassung zu bringen, bereitet Neururer kaum Kopfschmerzen. "Das Problem ist die Psyche. Aber wir müssen das abhaken und in der Bundesliga eine Aufholjagd starten", sagte er vor dem Derby beim Rivalen, bei dem nach dem 4:0-Debüt von Ralf Rangnick in Lettland eine ungleich bessere Stimmung herrscht.

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