Effe hat einen Bonus
Der Star auf der Rückbank

Wolfsburg hat seinen Promi. Stefan Effenberg ist da, und die eher triste VW-Stadt hat endlich ein Gesprächsthema. Seit Montag dreht sich alles um einen Fußballer.

WOLFSBURG. Montagmorgen, 9.41 Uhr: Vor der Vereinskneipe des VfL Wolfsburg hält ein silberner Passat. Fotografen drängen sich vor dem Auto, viele Kamerateams, Reporter. Die Fans klatschen, johlen, als der Fußballprofi Stefan Effenberg aus dem Wagen steigt. Beigefarbene Hose, weißes Hemd, Sonnenbrille. Viel Zeit hat Effenberg nicht. "Morgen", murmelt er nur und verschwindet in der Mannschaftskabine.

Effenberg ist dort angekommen, wo er vermutlich nie hinwollte: in der Provinz. So einen Mann kennen sie dort nur aus dem Fernsehen. Eigentlich sollte Effenberg gestern schon bolzen, Kommandos geben. Ein kleine Show am Morgen halt. Doch Trainer Wolfgang Wolf schickte die Jungs in den Wald. Unspektakulär? Von wegen. "Die Spieler steigen da hinten in den Kleinbus", sagte die Pressesprecherin überraschend. "Wer das filmen will, muss zum Hinterausgang." Die Kamerateams rannten.

Kurz nach zehn Uhr klatschen die Fans wieder, immer weiter. Effenberg kommt in Trainingsklamotten aus der Kabine und steigt in den VW-Bus. Ein Star auf der Rückbank. "Wahnsinn, Alter", sagt ein Junge. Zehn Meter fährt der Wagen, dann geht nichts mehr: Die Fans haben den Kleinbus umzingelt. Die Straße ist dicht. Trainer Wolf schickt seine Spieler in den Stadtpark. Effenberg lächelt, es ist seine Show.

Plötzlich ist alles spektakulär

Eine spektakuläre Show, das ist es, was sie in Wolfsburg vermisst haben. Wann kommt schon ein Kamerateam auf die Idee, einen Profi zu filmen, wie er in einen Neun-Mann-Bus steigt? Und wann rennen Fotografen mit den Spielern durch den Stadtpark? Plötzlich ist alles spektakulär. Einer wie Effenberg, das ist halt eine andere Liga. Effenberg steht für die Bayern. Für die Champions League. Für Skandale. Als der Mittelfeldspieler im umstrittenen "Playboy"-Interview seinen Kommentar zu Arbeitslosen abgab, strich ihn Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld aus dem Kader. Es war vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg. Bayern-Präsident Franz Beckenbauer sagte damals: "Effe würde sich keinen Gefallen tun, ausgerechnet in der Arbeiterstadt Wolfsburg aufzulaufen. Da sind seine Sprüche gar nicht gut angekommen." Nun hat er in Wolfsburg einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Ein Jahr ohne Option.

Am Mittag bittet der Klub ins VIP-Zelt. Der Presseraum ist zu klein. Sogar Journalisten aus dem Ausland sind angereist. Draußen klatschen die Fans noch immer. Publicity ist genau das, was sich Manager Peter Pander erhofft. Er sitzt mit Trainer Wolf auf dem Podium, daneben Effenberg. "Ich habe in den letzten 60 Stunden nur über diese spektakuläre Verpflichtung gesprochen", sagt Pander.

In Wolfsburg sprechen sie sogar von der Champions League. Der Neue scheint der Richtige dafür. Zumindest als Antreiber der Wolfsburger Euphorie. Hatte er nicht gesagt, nie mehr in der Bundesliga zu spielen? "Tschuldigung, habe mich geirrt." Aber diese Kleinstadt, kein Problem damit? Natürlich nicht: "Ich träume ich schon von Wolfsburg. Das ist back to the roots."

Der Tiger hat einen Bonus

Effenberg ist schlagfertig, er wirkt locker, entspannt. Die Fans sind überrascht. Viele hatten den Rüpel Effenberg vor Augen. Dann sagt er: "Glauben Sie mir, in Wolfsburg ist einiges möglich." Die Spieler in der Kabine wissen nicht so recht, wie sie mit dem Mann umgehen sollen. Als die Kamerateams vor der Kabine warten, lachen sie, winken, einige rennen weiter. Effenberg wird den Klub durcheinander bringen, behaupten viele. Mannschaftskapitän Miroslaw Karhan sagt: "Ich habe meine Meinung, kann sie aber nicht sagen."

Vier Monate ist es her, dass Effenberg sein letztes Spiel gemacht hat. "Ich bin in einem guten Zustand. Ich kenne meinen Körper", behauptet Effenberg. "Die Eingewöhnungszeit wird nicht lange dauern." Denn: "Die Jungs sind okay, und ich bin es auch." Effenberg könne ja auch über die Bundesligaspiele fit werden, sagt Trainer Wolfgang Wolf. Der Star hat einen Bonus. Effenberg hält das Trikot mit der Nummer zehn in der Hand. Das war bislang für Krzysztof Nowak reserviert, der wegen einer Nervenkrankheit seine Karriere beenden musste. Effenberg sagt: "So etwas ich auch für mich eine Ehre." Am Samstag wird er seine neue Arbeitskleidung erstmals in Bielefeld tragen.

Nach dem Abschied bei den Bayern war er in Mönchengladbach im Gespräch. Zuletzt reiste er quer durch Europa. Mit Austria Wien hatte er verhandelt. Dann doch Wolfsburg, Volkswagen zahlt. Es war die Sensation.

Als Effenberg verschwand, grüßten die Menschen. Sie haben jetzt endlich etwas zu erzählen in Wolfsburg.

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