Effektive Beobachtung und Überwachung erforderlich
Finanzexperten sehen Risiken für Welt-Finanzsystem

Die Kurse an den Weltmärkten schwankten immer häufiger und übertriebener. Die Liberalisierung der Märkte erhöhe noch die Risiken durch weltweit schärfere Konkurrenz im Finanzbereich.

Reuters BERLIN. Führende Finanzexperten aus Europa haben vor wachsenden wirtschaftlichen Ungleichgewichten als Folge abrupter Schwankungen an den Devisenmärkten gewarnt. Die Welt-Leitwährung, der US-Dollar, könnte schnell unter Druck geraten, warnte Andrew Crockett, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), am Wochenende auf einem Forum der Herbert in Berlin. Die weltweit immer schärfere Konkurrenz im Finanzbereich durch die Liberalisierung der Märkte erhöhe die Risiken für das weltweite Finanzsystem. Die Kurse an den Welt-Finanzmärkten schwankten immer heftiger und übertriebener.

Um diesen Risiken zu begegnen, muss das Welt-Finanzsystem effektiv beobachtet und überwacht werden, waren sich Crockett und andere Finanzexperten wie das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) Tommaso Padoa-Schioppa einig. Inzwischen ist dies auch ein Thema für die Staats- und Regierungschefs der großen Industrienationen auf ihren Gipfeln. Denn Schocks im internationalen Finanzsystem können für einzelne Staaten ebenso wie für die Weltwirtschaft gefährlich werden. Unter den Industrieländern herrscht Einigkeit, dass größere Anstrengungen zur besseren Überwachung der Finanzsysteme unternommen und gemeinsame Standards entwickelt werden müssen.

Gravierende gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte stellen für die Weltwirtschaft nach Crocketts Worten ein Risiko dar. So sei in den USA die Sparneigung gering, während in Japan um so mehr gespart werde. Die Leistungsbilanzen der USA, aber auch in anderen Industriestaaten, wiesen hohe Defizite aus. Und die Wechselkurse widersprächen zum Teil der aktuellen wirtschaftliche Stärke oder Schwäche einer Volkswirtschaft. So notiere der US-Dollar anhaltend hoch, während die USA zugleich seit langem der weltweit größte Schuldner seien. Auch der Eurokurs, der seit Wochen massiv schwächelt, stehe nicht im Einklang mit der recht guten Verfassung von Europas Wirtschaft.



Positive Stimmung für den Dollar könnte kippen

Gerade das hohe US-Leistungsbilanzdefizit könne irgendwann dazu führen, dass die positive Stimmung für den Dollar an den Märkten abrupt kippe und die US-Währung stark unter Druck komme, sagte Crockett. Die Finanzmärkte neigten immer mehr dazu, solche Veränderungen plötzlich und übertrieben zu vollziehen - eine Tatsache, die Europas Finanzpolitikern beim Euro in den vergangenen Wochen immer wieder viel Kopfzerbrechen bereitete.

In dem 1999 gegründeten Forum für Finanzstabilität, in dem sich führende Finanzexperten mit dem Thema Stabilitätsrisiken im internationalen Finanzssystem beschäftigen, ist man nach den Worten des BIZ-Chefs jedenfalls besorgt über die Risiken, die der Stabilität des Wirtschafts- und Finanzsystem drohten.

Frankreichs Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet sieht in den hohen Leistungsbilanzdefiziten der großen Industrieländer einen Zustand, der auf Dauer nicht gesund sei. "Es berührt mich, dass die Industrieländer seit geraumer Zeit Leistungsbilanzdefizite ausweisen", sagte er in Berlin. Es gab Zeiten, da sei das ganz anders gewesen. Letztlich sei es nicht akzeptabel, wenn die reichsten Länder sich ihren Wohlstand auf Dauer vom Rest der Welt finanzieren ließen, kritisierte Trichet.

Dem EZB-Ratsmitglied Padoa-Schioppa war es vorbehalten, allzu große Skepsis zu dämpfen. In der Geschichte habe es immer wieder große Kursschwankungen bei Devisen gegeben. Daran habe sich mit der Euro-Einführung wenig geändert. Im Übrigen sei er der Meinung, dass die Vorkehrungen, die man in Europa gegenüber Instabiltitäten im Finanzsystem entwickelt habe, "absolut ausreichend" und gut seien, verkündete der EZB-Banker.

Bundesbank-Präsident Ernst Weltekte verwies noch auf ein ganz anderes, ureigenes europäisches Feld, von dem aus Risiken drohten: die Osterweiterung der Europäischen Union. Er empfahl daher, noch vor dem Beitritt der ost- und mittelosteuropäischen Länder abzuklären, welche Folgen das für die europäische Geldpolitik habe.

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