Effizientes E-Learning ist ohne eine umfassende Strategie nicht machbar
E-Learning: Das E-Business der Personalentwicklung

Die Möglichkeiten der Mitarbeiter, auf eine Vielzahl unterschiedlichster Lerninhalte und Wissensdienste in und außerhalb ihrer Unternehmen von unterschiedlichen Inhaltelieferanten für ihre individuelle Weiterbildung zuzugreifen, sind inzwischen so vielfältig, dass der Personalentwicklung fast zwangsläufig neue Aufgaben im Zusammenhang mit E-Learning zukommen.

SAARBRÜCKEN. In einem ersten Schritt sind deshalb aus unternehmensinternen und externen Lerninhalten und Wissensdiensten, die unter dem Begriff E-Content zusammengefasst werden, die relevanten Objekte zu sichten und auszuwählen. In einem zweiten Schritt erfolgt eine themenorientierte Strukturierung und logische Reihenfolgebildung der Contents. Die personalisierte Bereitstellung dieser Contents erfordert die Definition von Zielgruppen und Rollen in den Unternehmen um eine entsprechende Zuordnung vornehmen zu können. Darüber hinaus berät die Personalentwicklung die Mitarbeiter in der problemspezifischen Bereitstellung von Contents.

Wie Wissenslogistik geplant wird

Zunehmend beginnen Unternehmen eigene virtuelle Corporate Universities und Online-Akademien aufzubauen. Ein wichtiges Merkmal von Corporate Universities ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit internationalen Business Schools und "Ivy League"-Universitäten. Mit der klaren Fokussierung auf unternehmensrelevante Business-Themen und Executive Education profitieren diese Institutionen von der zunehmenden Verbreitung von Corporate Universities.

Das Geschäftsmodell zwischen Corporate Universities und diesen "Inhaltelieferanten" ist von einer klaren Rollenverteilung geprägt. Die Planung des Curriculum wird von der Corporate University koordiniert, ohne dabei einen umfassenden Universitätsbetrieb mit Lehrkörper und Campus zu institutionalisieren. Die konkrete Ausarbeitung der Inhalte - zum Beispiel auf der Basis von Fallstudien - sowie die Durchführung der Programme und Betreuung der Teilnehmer erfolgt durch die Business Schools. Die zielgruppenspezifische Bereitstellung von Lern- und Wissensinhalten erfordert den Aufbau einer Content-Redaktion in der Personalentwicklung mit folgenden Aufgaben:
 Auswahl und Beschaffung von geeigneten medienbasierten Lern- und Wissensinhalten (Beschaffungslogistik),
 Transformation von "Papier-basierten" Inhalten in multimediale Vorstellungswelten (Produktionslogistik),
 Ermöglichung der Nutzung dieser Inhalte durch Mitarbeiter in konkreten Lernkontexten und Aufbau eines interaktiven Lerncoaching auf der Basis von Teletutoring-Konzepten (Wissensdistribution),
 Abrechnung, Budgetierung, Koordination der Lernprozesse und Evaluation des Lernerfolgs (Wissensnutzung),
 Planung und Steuerung der gesamten Wissenslogistik.

Beispiel eines Redaktionsprozesses

Im ersten Schritt erfolgt die Festlegung der möglichen Themenkonzeption für die virtuelle Lern- und Wissenswelt. Dabei wird von der Fragestellung ausgegangen, welche Lerninhalte im Rahmen der Personalentwicklung von hoher Relevanz sein könnten. Die Definition der Themenschwerpunkte bildet die Grundlage für die weitere Analysephase. Die Anforderungsanalyse kann wie folgt untergliedert werden:
Analyse von Lerninhalteangeboten: Der Markt wird nach Anbietern von medienbasierten Inhalten sondiert. Dabei kann es sich um externe Anbieter von Lerninhalten handeln. Außerdem gehören hierzu die Unternehmen selbst, die ihr "Best-Practise"-Wissen anderen Unternehmensbereichen in Form von Lehrbeispielen zugänglich machen
. Analyse von Lerninhaltebedarfen: Neben den am Markt verfügbaren Inhalten sind die Interessen und Lernbedarfe der potenziellen Nutzer zu berücksichtigen.

Mit dieser Vorgehensweise werden die Fragen beantwort, welche medienbasierten Lerninhalte grundsätzlich verfügbar sind und ob diese Angebote den derzeitigen Lernbedarfe der Mitarbeiter entsprechen. Dies hat aber zur Konsequenz, dass die Personalentwicklung auf Lernbedarfe nur mit entsprechendem Zeitverzug reagieren kann. Von besonderem Interesse ist es deshalb, inhaltliche Trends mit hoher Relevanz für das Unternehmen frühzeitig zu erkennen, um bereits im Anfangsstadium eines Themas entsprechende Lernangebote zur Verfügung stellen zu können. Nachdem alle Punkte der Anforderungsanalyse abgearbeitet sind, ergibt sich daraus unter Berücksichtigung der definierten Schwerpunkte der Redaktionsplan.

Eine differenzierte zeitliche Redaktionsplanung für die verschiedenen Content Typen ist notwendig

So ist zum Beispiel für die Entwicklung von unternehmensspezifischen Lerninhalten (individueller Content) eine entsprechend längere Vorlaufzeit bis zur Lerninhalte-Bereitstellung einzuplanen, als für die Integration von bereits produzierten Lerninhalten mit niedrigem Multimedialitäts- und Interaktionsgrad. Die beschriebene Bereitstellung von Lerninhalten ist kein einmaliger Prozess, da das Lernangebot ständig aktualisiert und erweitert werden muss.

Eine Lernplattform für die Steuerung der Wissenslogistik

Da es sich bei der Einführung einer Lernplattform um einen Online-Bildungsdienst für E-Contents und den Wissenserwerb und-austausch im Intranet eines Unternehmens handelt, ist die Planung und Konzeption dieser virtuellen Lern- und Wissenswelt mehr als nur ein Software-Realisierungsprojekt. Es handelt sich vielmehr um ein Gesamtkonzept aus organisatorischen, mediendidaktischen, personal- und betriebswirtschaftlichen sowie informationstechnischen Fragestellungen. Die Personalentwicklung ist deshalb im Rahmen eines Einführungsprojektes für eine Lernplattform federführend beteiligt.

Viele Unternehmen verfügen heute schon über zahlreiche digitale Bildungsprodukte für ein selbstgesteuertes, autodidaktisches Lernen, wie beispielsweise WBT?s, Schulungsvideos oder-unterlagen. Mit einer Lernplattform werden diese Lernmedien den Mitarbeitern zentral und inhaltlich konsistent über das Intranet zur Verfügung gestellt. Eine Lernplattform unterstützt auch die Abwicklung der notwendigen Beschaffungs-, Distributions- und Verwaltungsprozesse, optional bis hin zum Finanz- und Kostenmanagement. Lernende können sich gemäss ihrer persönlichen Präferenzen eine individuelle Lernumgebung konfigurieren.

Mit einer Lernplattform werden Lernprozesse in die tägliche Arbeit der Mitarbeiter integriert. In virtuellen Klassenzimmern oder Projekträumen, die von Teletutoren gecoacht und individuell gestaltet werden, treffen sich Kursteilnehmer unabhängig von Zeit und Raum, diskutieren gemeinsam Problemstellungen, erarbeiten und dokumentieren Lösungsvorschläge, tauschen Erfahrungen und Expertenwissen aus.

Mit einer Lernplattform werden alle relevanten Geschäftsprozesse im Rahmen eines umfassenden, integrierten Bildungs- und Wissensmanagements unterstützt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die persönlichen Interessen, Skills und Karrierepläne der Mitarbeiter. Ebenso wichtig sind auch Steuerungsinstrumente, mittels derer die Effizienz und Qualität Ihrer Bildungsangebote objektiv gemessen aber auch subjektiv beurteilt werden kann. Eine Lernplattform bietet Redaktionswerkzeuge an, mit deren Hilfe Content-Experten, wie beispielsweise die Mitarbeiter und Partner von Business Schools, Lern- und Wissensinhalte in einer virtuellen Corporate University einfach und schnell publizieren können.

Neue Aufgaben durch medienbasierte Wissensdienste

Der Aufbau einer virtuellen Lernwelt in Unternehmen führt zu einer veränderten Lernorganisation. Mit der Etablierung von medienbasierten Wissensdiensten entstehen neue Aufgaben, zum Beispiel durch die Content-Redaktion und-Betreuung als auch durch den Betrieb des Online-Bildungsdienstes an sich Es sind die Abläufe unterschiedlicher Zugangsszenarien zur virtuellen Lernwelt zu definieren. Dies betrifft beispielsweise die Prozesse der Auswahl von Bildungsprodukten (Warenkorb), der Festlegung von Zugangsrestriktionen (so können beispielsweise Bildungsangebote frei verfügbar sein oder bestimmten Zielgruppen vorbehalten sein), die Zugangsform und-abwicklung zu den Bildungsprodukten (Selbstanmeldung, Fremdanmeldung, Vorgesetztenanmeldung) sowie die Festlegung der Registrierungskritierien.

Mit dem Zugang von Teilnehmern zu der virtuellen Lernwelt ist nachvollziehbar, welche Teilnehmer in der Lernplattform zeitgleich aktiv sind und welche Teilnehmer grundsätzlich registriert sind. Beim Aufbau einer virtuellen Lernwelt können verschiedene Nutzungs- und Lernszenarien realisiert werden. So kann beispielsweise unterschieden werden, ob alleine oder alleine mit tutorieller Unterstützung, in Lerngruppen ohne tutorielle Unterstützung - hier unterstützen sich die Lernenden gegenseitig - oder in tutoriell betreuten Lerngruppen gelernt wird. Die Abbildung dieser Nutzungs- und Lernszenarien erfolgt durch die Komposition der Bildungsprodukte mit den interaktiven Bildungsdienstleistungen wie Chat, Diskussionsforum, Newsgroups, FAQ?s, Glossaren und Werkzeugen zur Erstellung von Lernerfolgskontrollen (Tests) sowie den interaktiven Wissensdiensten wie Wissenslandkarten und Yellow Pages.

Dr. Wolfgang Kraemer ist Mitgründer sowie Geschäftsführer des E-Learning Unternehmens imc GmbH und dort verantwortlich für den Geschäftsbereich Consulting. Er ist zudem Leiter der Schmalenbach-Arbeitsgruppe "Corporate Universities".

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