Ehefrau-Sein war ihr Lebensinhalt
Hannelore Kohl: Stille Helferin im Schatten des Kanzlers

Sechzehn Jahre war sie die Frau an der Seite des deutschen Regierungschefs, und Hannelore Kohl blieb gern im großen Schatten ihres Mannes. Wie die personifizierte «Frau hinter dem mächtigen Mann» stellte sie sich zumindest für die Öffentlichkeit dar.

dpa BERLIN. Wenn die zierliche Blondine mit festgesprayter Frisur und Dauerlächeln an der Seite von Helmut Kohl auftrat, blieb sie still - sei es bei Staatsbesuchen, sei es im Wahlkampf für die CDU. Doch da, wo der übermächtige Kanzler nicht war, da sagte sie selbst von sich: "Ich bin aus dem Schatten meines Mannes herausgetreten."

Was sie damit meinte, war keine kleine Revolution, sondern ihr unermüdliches Engagement für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen. Für sie gründete sie 1983 das Kuratorium ZNS, mit dem sie Millionenbeträge sammelte. Auf diesem, ihrem selbstgeschaffenen Gebiet war Hannelore Kohl konkurrenzlos, sie kannte sich aus wie wenige andere und kämpfte ohne Pause. Sie hatte den Respekt von Medizinern und Betroffenen - allerdings beratschlagte sie mit ihnen hinter verschlossenen Türen.

Die meist unterschätzte Frau in Bonn

Für die Öffentlichkeit blieb sie eine stumme, nicht selten bis zur Starre zurückhaltende Person. Dass sie, als ihr Mann in den ersten Amtsjahren noch den Spott vieler auf sich zog, in Bonn als "das blonde Dummchen vom Land" galt, hat sie, wie sie selbst sagte, gewusst. Und angefangen, einen dicken Panzer um sich aufzubauen, der sie am Ende nach Meinung vieler zur "am meisten unterschätzten Frau" in Bonn machte.

"Das übt sich", lautet ihre ebenso berühmte wie einsilbige Antwort auf die Frage, wie man denn den Beruf der Kanzlergattin lernen könne. Zu diesem Üben gehörte ihr "Überlebenstraining" für Menschen, die sich "im Fadenkreuz der Medien" bewegen. Auf jedes Wort achten, immer vorzeigbar aussehen und vor allem im richtigen Moment den Mund halten - so beschrieb sie ihren selbstgewählten Verhaltenskodex, den sie nach "viel Ärger" über Schlagzeilen fand. Gemeinsam mit ihrem Mann schaffte sie es auch, die beiden Söhne Walter und Peter weitgehend abzuschotten.

Noch etwas gehörte zum ganz persönlichen Kodex der Hannelore Kohl: Anpassung. "Anpassen ist für mich kein schlechtes Wort", sagte sie mit Blick auf ihren Mann, ihr Leben und die Frage, ob es auch anders hätte verlaufen können. Vielleicht hätte die gelernte Fremdsprachen- Korrespondentin, die in vier Sprachen stenografierte, gerne Naturwissenschaften studiert, meinte sie. Aber eigentlich nannte sie solche Gedanken schlichtweg "müßig". Mit einer Begründung: "Ich habe mich doch für diesen Mann entschieden."

Ehefrau-Sein war ihr Lebensinhalt

53 ihre 68 Lebensjahre verbrachte sie mit Helmut Kohl. Mit 15 lernte die gebürtige Berlinerin, die in Leipzig aufwuchs und durch den Krieg zum Flüchtling wurde, Kohl in Ludwigshafen kennen. Die Tanzstundenliebe wurde nach zwölf Jahren zur Ehe. Erst vor wenigen Tagen jährte sich der Hochzeitstag zum 41. Mal.

Ehefrau-Sein wurde Hannelore Kohls Lebensinhalt. In ihrer Generation habe sich die Frage nach einem Beruf für eine verheiratete Frau nicht gestellt, meinte sie einmal. Und so war sie eben von Beruf: Kanzlergattin.

Als der Stern Helmut Kohls Ende 1998 sank, sah man sie immer seltener. Ihre Lichtallergie, die sie 1993 durch Penicillin erwarb und die im vergangenen Jahr schlimmer geworden war, fesselte sie viel ans Haus. Es muss bitter für Hannelore Kohl gewesen sein, dass sie nicht einmal mit ihrem Mann zur Hochzeit ihres Sohnes Peter in die Türkei fahren konnte. Sie selbst lehnte es allerdings ab, sich als Leidende darzustellen, und erzählte noch vor kurzem in einem Interview, wie sie für ihre Stiftung arbeite.

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